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THE GöTEBORG BALLET

DEUTSCHLAND - TOUR 2004

WENN'S FEDERCHEN SCHNEIT
Eleganten Tanz der klassischen Moderne erlebten die Zuschauer im Forum
Was wären Regisseure und Choreographen ohne ihre Lichtkünstler? Was Beleuchtung ausmacht, zeigte Mikki Kunttu in „Swan Lake“, der wunderschönen Kurz-Fassung des romantischen „Schwanensee“-Balletts zur Musik von Peter Tschaikowsky. Jorma Uotinen hat sie für das „Göteborg Ballet“ entworfen.
„Swan Lake“ hat nicht den sozialkritischen Biss der legendären „Schwanensee“-Version von Mats Ek, auch fehlt ihr die jugendliche Aggressivität, die Stephan Thoss in seine Produktion für das Ballett Hannover eingearbeitet hat. Dafür gibt sie sich leicht, elegant und auch mit einem klitzekleinen verschmitzten Seitenhieb. Vorsichtig zeichnet Uotinen Bewegungs-Annäherungen an Schwäne nach. Die betörende Wirkung von „Swan Lake“ geht auch vom Bühnenbild aus - ein Zauber aus Blau, Grün und Weiß.
Technisch steht das Göteborg Ballett auf hohem Niveau. Wie hoch, das belegten „Hidden Seconds“ von Nicolo Fonte. Die Choreographie knüpft an klassisches, modernes Ballett in der Tradition George Balanchines an, ebenso edel wie fließend. Das Schöne daran: „Hidden Seconds“ macht die Idee von zerteilter Zeit anschaulich. Auch das ließ die Zuschauer im Forum jubeln.
Kölner Stadtanzeiger, 16.12.2004

SCHWäNE IM FEDERREGEN
Tonlos wabbern die Staubnebel im mageren Licht des Scheinwerfers. Die absolute Stille wird nur gebrochen von einem leisen Schleifen - eine gebeugte Frau schält sich aus der Düsterheit, bewegt bedächtig den gestreckten Arm, als wolle sie das Gelände sondieren. Nichts Verdächtiges? Sie fährt fort die Beweglichkeit ihrer Extremitäten zu entdecken. Ein Cello kreischt, sie duckt sich, und - voilà - hinter ihr taucht wie von Zauberhand eine zweite Frau auf, vollführt parallel und spiegelverkehrt langbeinige Attitudes, schräge Pliés, große Ports de Bras und stilvolle Drehungen. Ein Mann stößt aus dem Dunkel hinzu und verwandelt den Schrittreigen in eine ästhetische Ménage-à-trois, bis schließlich fünf Paare auf der Bühne stehen, die allein, zu zweit, zu dritt flüssigen Biegungen, Hebungen und Körperverschlingungen frönen. Genuss freilich boten die zehn Tänzerinnen und Tänzer selbst, die unglaublich weich und gefühlvoll die Gesten ausführten, als wären sie vom Wasser umgeben.
Und so ging man nach eineinhalb Stunden von dannen mit dem Gefühl, eine aufstrebende, niveauvolle Kompanie gesehen zu haben.
Petra Mosbacher-Dix, Stuttgarter Zeitung 13.12.2004

TANZ IN KLAREN FORMEN
Die hervorragende tänzerische Interpretation machte sowohl die Konstanz als auch die Vielfalt der Choreographie (In Hidden Seconds) sichtbar, war voll leidenschaftlicher Spannung und Sinnlichkeit und erfüllt die abstrakte, klare Formensprache mit engagierter Expressivität.
Ursula Pellaton, Der Landbote 11.12.2004

DAS GöTEBORG BALLET IN WINTERTHUR
Das Göteborg Ballet gastierte mit zwei märchenhaften Choreographien im vorweihnachtlichen Winterthur. Die Verbindung von technisch hochstehendem Tanz und geheimnisvoller Stimmung vermochte das Publikum zu begeistern. Wie Geister tauchen bleiche Gestalten aus dem Dunkel auf. Die Bühne bleibt in diesigem Zwielicht. Die Atmosphäre hat etwas Unwirkliches. Zur ausdrucksstarken Musik von John Tavener hat Fonte ein sehr stimmungsvolles Stück geschaffen, das interessanterweise durch seine Zurückhaltung lebt..
Noch märchenhafter kommt Jorma Uotinens Swan Lake 2 daher. Die Atmosphäre ist bezaubernd, im schönsten Moment sieht die Bühne aus wie eine riesengroße Schneekugel. Der Tanz dagegen ist präzis und sportlich. Eine elegante Choreographie und ein freier Umgang mit dem Traditionsstück, getreu dem Credo des Göteborg Ballet: "Alte Regeln nicht ganz so genau nehmen, um neue aufzustellen."
Neue Zürcher Zeitung 11.12.2004

ZWIELICHT IN DER ZWISCHENWELT
"In Hidden Seconds", getanzt auf eine schwermütig-romantische Komposition des zeitgenössischen britischen Komponisten John Tavener, verdichtet sich zu einer perfekten Vision. Ein dunstiger Schleier füllt den gesamten Bühnenraum, verleiht ihm eine unwirkliche Ortlosigkeit. Die Tänzerinnen und Tänzer wirken wie von zarten Luftwirbeln umhergetrieben. Zugleich ist die Verzahnung zwischen Musik und Tanz gerade in den Pas de deux so eng, als seien die Körper des Ensembles selbst die Saiten, deren Geigen- und Bratschenklang in schwermütiger Fülle den Saal ausfüllt.
Tänzerisch überzeugt "Swan Lake 2" vor allem in der Choreographie der Schwäne: Ihre Doppelgeschichtigkeit als sirenenhaft-verlockende Wesen einerseits und scheue Tiere andererseits wird hervorragend dargestellt: Laszive Positionen mit gespreizten Beinen gehen in kauernde Stellungen über. Das Bild eines in sich gekehrten Schwans tritt hier ebenso deutlich vors geistige Auge wie dort, wo die Arme der Tänzerinnen sich einmal in Flügel, dann wieder in lange Hälse verwandeln. Einmal agieren die Frauen als stolzierende Einzelwesen, dann wieder finden sie zu Schwärmen zusammen. Die Choreographie ist dort am gelungensten, wo es schließlich unmöglich wird, jene Stelle zu bestimmen, an der die tierische Unbedarftheit in ein berechnendes erotisches Spiel übergeht.
Das Göteborg Ballet ließ im GZH keinen Zweifel daran, dass es nicht nur den tanzkundigen Fachverstand, sondern auch das Auge ansprechen wollte.
Harald Ruppert, Südkurier 9.12.2004

MAGIE BIS IN DIE FUßSPITZEN
Modernen Tanz in seiner exquisiten Form bot das Göteborg-Ballett einem begeisterten Stadttheater-Publikum. Hochartifiziell, poetisch und magisch aufgeladen war die erste Choreografie, „In hidden seconds“ von Nicolo Fonte zur hypnotischen Musik von John Taverner. Alles fließt, könnte das philosophische Motto lauten.
Keine Frage: Unter der Leitung des Amerikaners Kevin F. Irving, einst als künstlerischer Koordinator für Nacho Duato tätig, entwickelt die schwedische Kompanie ihren Erfolgskurs konsequent weiter und ergänzt ihr Repertoire um Spitzen-Choreografien. Solche versteckten Sekunden, in denen einem die verrücktesten Gedanken über Leben und Tod durch den Kopf schießen, hat jeder. Wenn aber Fonte zu Werke geht, seine zehn Tänzer und Tänzerinnen die bizarren Tagträume erzählen lässt, fühlt man sich wie in einem Jarmusch-Film: aufgehoben und ausgeschlossen zugleich.
Der finnische Choreograf Jorma Uotinen ist bekannt für seine unkonventionelle Herangehensweise. Für die Göteborger hat er das unsterbliche „Schwanensee“ zu Tschaikowskys Klängen neu interpretiert: Aus dem zweiten Akt, jenem am See, in dem der Prinz sein verzaubertes Schwanen-Mädchen trifft, macht er ein intensives Erlebnis, das in einem Sturm fallender Federn kulminiert und Bewegung atemberaubend im Raum platziert. Die Ästhetik der goldenen Tanz-Epoche wirkt nach, gleichwohl kommt viel Freches ins Spiel. Umso wichtiger die Genauigkeit, die die Truppe in jedes noch so kleine Detail legt. So wird die unglückliche Liebesgeschichte ins Heute transportiert, in dem nicht mehr verwöhnte Prinzen auf die echte Liebe hoffen, sondern einsame Singles.
Ein vitales Meisterwerk voller Romantik und Lebensfreude.
Claudia Schuller Fürther Nachrichten 6.12.2004

FLIEGENDE BEWEGUNGEN
Das war wieder einmal ein Tanzabend, der das Ballettpublikum im Theater im Pfalzbau entzückte! Das Göteborg Ballett gastierte mit zwei neoklassischen Choreographien von höchstem tänzerischen Niveau und hinreißender Schönheit.
In 'In hidden seconds' sind Optik, Struktur und Ausstrahlung von klassischer Nobless. Alle Details sind subtil und in vollendeter Harmonie aufeinander abgestimmt: Der lyrische bis erregende Streicherklang der Musik von John Tavener und der anmutig leichte Fluss der Bewegung. Das Bewegungsvokabular ist schlicht und von wunderbarer Einfachkeit. Es verzichtet auf Artistik um ihrer selbst willen, verwendet keine Hebungen, bindet Drehungen und Sprünge in den Fluss der Bewegungslinien ein.
Heike Marx, Die Rheinpfalz 2.12.2004

DER SCHWAN IST EIN GEWöHNLICHER VOGEL
'In Hidden Seconds' nennt Choreograf Nicolo Fonte seine Arbeit, in der seine Tänzer nach und nach aus dem Dunkel auftauchen. John Taveners schwermütige wie sinnliche Musik mit berückenden Cello-Passagen steigert sich in knapp einer halben Stunde zum kultischen Bacchanal, und die Choreographie folgt dieser Entwicklung punktgenau und mit außergewöhnlichen Bildern. Tiefgründig und gefühlvoll schwingen und kreisen die Tänzer in unterschiedlichen Paarkonstellationen stets mit ausladenden Gesten und weit geöffneten Bewegungen, um in den Solopassagen ganz in sich zu kehren, Arme und Beine nah an den Körper zu ziehen, bevor sich der Reigen um Einzel- und Gruppenbeziehungen in einem wuchtigen Bacchanal entlädt, was mit viel Applaus bedacht wird.
In Jorma Uotinens Swan Lake 2 verkürzt sich das üppige Märchen um die verzauberte Odette und Prinz Siegfried auf eine Zugehörigkeitsabwägung zwischen Gruppe und Individuum. Für Uotinen sind Schwäne gewöhnliche Vögel, ätherische Eleganz lässt er bewusst nicht aufkommen. Mit gebrochenen Flügeln winden und kriechen die Tiere am Boden in originellen wie reizvollen Abläufen. Nur gelegentlich finden die Tänzerinnen zu Tschaikowskys seelenvollen Klängen zu klassischer Form und Schönheit. Dabei ist sowohl das Bewegungsvokabular als auch der Umgang mit Raum und Licht atemberaubend:eine zeitgenössische Auslegung der alten Geschichte, die auch zum tiefgründigen Spiel mit den Traditionen wird.
Ralf-Carl Langhals, Mannheimer Morgen 2.12.2004

SPIELERISCHE LEICHTIGKEIT UND UNBäNDIGE TANZLUST
Drei Choreografen, drei Handschriften und drei Stärken: wunderbare Ensemblearbeit, einen guten Griff, was die Auswahl der Stücke betrifft und ein sicheres Gefühl für eine publikumswirksame Programmfolge kennzeichnen die Arbeit der Göteborger.
Jiri Kylian sprudelt in seinen 'Six Pieces' über vor Ideen.... Mit dieser temporeichen, surrealistisch eingefärbten Barock-Groteske geht der gelungene Abend zu Ende.
Ebenfalls ein choreographisches Kleinod, weniger der humorvollen, als der theatralen Art ist das Mittelstück 'In Hidden Seconds' von Nicolo Fonte. Wäre das Stück mit seinem unglaublichen Bewegungsfluss und den traumschönen Pas-de-deux und pas-de-trois nicht von Fonte, könnte man es für eines von Nacho Duato halten..
Den beiden Meisterwerken ging Örjan Anderssons 'Quartett Nr 10' voraus. Auch wenn Andersson etwas zu sehr im Bann der Musik choreographiert, ist das Stück als Beispiel eines Nachwuchs-Choreografen aus Schweden unbedings sehenswert.
Leonore Welzin, Heilbronner Stimme Nov 25, 2004

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