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DANCE MAGAZINE AWARD 2009 FOR OHAD NAHARIN
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BATSHEVA DANCE COMPANY
MAX
GAGA OHNE ANARCHIE
Auf Ohad Naharin, Jahrgang 1952, kann man immer noch mit einiger Berechtigung das Etikett "junger Wilder" kleben - wie auf seinen Kollegen William Forsythe übrigens auch. Der israelische Choreograf klammert sich nicht an einen einmal gefundenen Stil, er lässt sich von seiner Neugier verführen, er experimentiert unter dem Namen "Maxim Waratt" auch musikalisch. Mal stellt er sich als Dragqueen ans Mikro, mal schwebt er als their master´s voice eine Fantasiesprache brummelnd und (griechisch?) von eins bis zehn zählend über seinen Tänzern wie nun in "Max".
Ein Teil des Publikums schien denn auch verunsichert von "Max", einer einstündigen Choreografie aus dem Jahr 2007, die der Frankfurter Mousonturm jetzt in die Jahrhunderthalle brachte. "Max" ist ein nur in einzelnen intrikaten Bewegungen verspieltes Stück, es wirkt ansonsten schlank. Die Kostüme - in Maßen farbige Hemdchen und Höschen von Rakefet Levi - sind schlicht, die Beleuchtung malt die Körper rot, dazu ab und zu grün. Manchmal muss man an Knetfigürchen denken, auch, weil die Tänzer - fünf Frauen, fünf Männer - so unglaubliche Verrenkungen und Verschraubungen vollbringen. Sie gehen in kellertiefes Plié, sie springen mit brettharten Gliedern, sie biegen den Rücken, als wollten sie unter einem unsichtbaren Stab durchtanzen.
"Max" befindet sich in einem Schwebezustand, das mag die Zuschauerverunsicherung geschürt haben. Denn der Tanz entschließt sich nie, eine Geschichte, schon gar keine individuelle zu erzählen; die Tänzer sind auch dann Gruppe, wenn sie allein oder zu zweit auftreten. Gleichzeitig geht es Naharin eben doch darum, von den - guten und schlechten - Ausformungen einer Gemeinschaft zu erzählen. Man stellt sich eng zusammen, man stiebt wie ein Vogelschwarm auseinander. Eine stolpert, einer ragt raus. Vor allem aber unterwirft man sich - mit beeindruckender Exaktheit - der Synchronität. Naharin mag seine Bewegungssprache etwas kokett "Gaga" nennen, Anarchie aber gibt es in "Max" nicht.
Anziehung und Distanz
So fühlt man sich aufgefordert, nach Aussage und Muster zu suchen in diesem Gewebe aus gängigen Modern-Dance- und fremd-absonderlichen Naharin-Bewegungen. Auf diese Weise zieht das Stück an - und hält auf Distanz. Vor allem aber fordert es heraus.
Das Gastspiel der Israelis setzte den Schlusspunkt unter ein Tanzfestival, das der Mousonturm mit finanzieller Hilfe des Kulturfonds Frankfurt Rhein-Main gestemmt hat. Endlich wieder sollen große und relativ teure Ensembles nicht an Frankfurt vorbeigehen. Auch wenn vom dafür bei den Städtischen Bühnen nach Abschaffung des Balletts vorgesehenen Geld längst keiner mehr redet.
Sylvia Staude, Frankfurter Rundschau 5.12.2009
ALLE GLEICH UND DOCH JEDER ANDERS
TANZ Die berühmte Batsheva Dance Company aus Tel Aviv in der Jahrhunderthalle
Esperanto? Griechisch? Russisch rückwärts gelesen? Was da an Sprachen so volltönend aus dem Off über die Bühne der Jahrhunderthalle floss, mal als Sprechgesang, mal erzählend, mal aufzählend, sorgte beim Publikum in der Jahrhunderthalle für Gesprächsstoff. Hierher hatte der Mousonturm die Batsheva Dance Company aus Tel Aviv im Rahmen der 2008 ausgerufenen "Tanzoffensive Frankfurt Rhein/Main" eingeladen, in die sich nun sinnvollerweise auch der neue Kulturfonds eingeklinkt hat.
Wie Spielfiguren
Doch die Worte waren Fantasiegebilde, so wie der Choreograph Ohad Naharin sich als Musiker und Sänger den Namen Maxim Waratt erfunden hat. Schwerer ist es, über den Tanz selbst zu plaudern. Naharin liebt seine Flüchtigkeit, sein Wert solle im Tanz selbst liegen und nicht in darzustellenden Geschichten. Und doch: Ähnlich wie bei den Sprachen blitzt in seiner einstündigen neuesten Choreografie "MAX" manchmal Erkennbares auf, Situationen, Erinnerungen.
So stehen die zehn kurzbehosten Tänzer zu Beginn regungslos wie Spielfiguren, einige tief in die gespreizten Knie gesunken. Männer und Frauen finden sich zu Paaren und sinken und erheben sich abwechselnd. Sie legen einander übers Knie; Männer umkreisen die Frauen und stellen sich in deren halbherzig oder wie hilflos geöffneten Arme hinein. Die etwas distanzierten Umarmungen wirken schmerzvoll unerlöst. Dann geht das Licht aus. In Szene 2 agiert jeder für sich, steht, hüpft, ballt die Fäuste; zwei tanzen plötzlich synchron, und auf unsichtbaren Befehl hin klumpt sich die Gruppe frontal zu einer Art Gruppenfoto. Aufgeregtes Wimmeln mit Armen und Köpfen, bis sich die Hände überm Herz kreuzen. Breites Lächeln. Dunkel. Naharin gibt einzelnen Bewegungen und Szenen mal viel Zeit, mal schneidet er sie kurz: hier ein Solo pur, dort zwei Soli nebeneinander - der eine in sich gekehrt, die andere streckt sich lang hinaus -, oder zwei stützen einen Dritten. Oder Alle wie Einer. Geschickt aneinander und ineinander gefügt, ist das immer übersichtlich, immer spannend, mitunter vielleicht zu effektvoll.
Fast etwas Magisches
Das wirklich Großartige sind die Tänzer. Beim Unisono sind sie keine Masse, beim Solo keine Egomanen. Etwas fast Magisches verbindet sie, so dass einmal alle zehn, während es im Hintergrund bollert, still stehen und nach einer Weile exakt gleichzeitig im Bauch, in der Schulter, im Knie einknicken. Immer wieder. Wie sie ihre verschiedenartigen Bewegungen, hölzerne, ziehend-flüssige, stille, eilige, aus dem Innern des Körpers entwickeln, strahlen sie eine besondere Souveränität aus. Eine unerschütterliche Ruhe liegt unter all dem. Als sei der Tanz bloß Fata Morgana.
Melanie Suchy, Wiebadener Tagblatt 3.12.2009
TANZ UNTER DEM HOCHDRUCK DES ZäHLENS
Hamburg. Und handelt selbstredend vom Choreografen und seiner Kunst. Das einstündige Stück ist ein Rückblick auf seine Vergangenheit, aber auch Bilanz und der weitere Versuch, seine Bewegungsrecherchen fortzusetzen.
Blitzartig sind klassische Ballett-Figuren zu sehen. Die Zitate verweisen auf die Wurzeln von Naharins Tanz, von denen er sich radikal gelöst hat. Er fragmentiert das Vokabular, ähnlich wie William Forsythe, doch auf seine spezielle Art. "Max" könnte auch gut Maximum bedeuten. Der israelische Choreograf fordert von der Batsheva Dance Company ein Höchstmaß an Spannung, Kraft und Einsatz.
Er setzt die Körper in einer Art "Fegefeuer" - rotes Seitenlicht und Sound von knisternden Flammen - unter Hochdruck, treibt sie nicht nur in exzessiven Soli an physische Grenzen. Die Körper werden von sirrenden Klangblitzen durchzuckt und geschüttelt. Harmonischer Bewegungsfluss erscheint Naharin wohl nur mehr als eine Lüge der Entertainment-Branche. Er zeigt in der Gruppe isoliert ums Überleben kämpfende und ringende Körper.
Folterte Emio Greco in "Hell" zum Festivalauftakt noch recht putzig als narzisstischer Satan sein Ensemble, befehligt es Naharin mit Kommandos in seiner erfundenen Kunstsprache "Warattit", dem Zählen von eins bis zehn, und bereitet ihm selbstironisch eine eiskalte "Hölle" im Kunstdienst. Tänzer verbringen ihr Leben mit dem Zählen, um synchron zu bleiben, wie es der Anfang des Stücks brillant in der Stille mit den verkabelten Tänzern zeigt, die per Knopf im Ohr superpräzise auf gemeinsamer Spur bleiben. "Max" Naharin fordert eben wie immer das Maximum.
Klaus Witzeling, Hamburger Abendblatt 28.8.2009
BEWEGUNGEN AM KöRPER-LIMIT
Wenn er singen würde, wäre er die Stimme Israels. Aber Ohad Naharin tanzt - und kreiert so immer neue Sinnbilder des jüdischen Staates. Sein jüngstes heißt "Max", ein auf zehn Tänzer aufgeteiltes, choreografiertes Stück, das seine "Batsheva Dance Company" nun auf Kampnagel uraufführt.
Naharin ist einer der ganz Großen der Tanzwelt. Seit fast 20 Jahren leitet er die legendäre "Batsheva"-Compagnie. Berühmt für Bewegungen, die seine Tänzer ans persönliche Limit und oft darüber hinaus bringen, geht auch "Max" über sämtliche anatomische Grenzen hinweg. "Der menschliche Körper macht mich einfach an", gesteht Naharin, der für sein aktuelles Werk neben der Choreografie auch die Musik schuf.
Als Komponist taucht er unter anderem Namen auf: als Maxim Waratt. "Maxim ist ein anderer Charakter von mir, den es noch zu erforschen gilt", so Naharin, der Musik studierte, bevor er den Tanz erst mit 20 für sich entdeckte. Jedes seiner Stücke ist randvoll mit Gefühlen. "Max" etwa erzählt vom Alltag in seiner Heimat Tel Aviv - die er liebt, obwohl sie mitunter einer gewalttätigen Hölle gleicht.
Hamburger Morgenpost 26.8.2009
TANZEND VOM PARADIES UND IN DIE HöLLE ZURüCK
Nach etlichen Gastspielen in Hamburg glaubt man, sie bereits zu kennen. Doch würde der Batsheva Dance Company kaum zu Recht der Ruf einer Compagnie von Weltklasse vorauseilen, wenn die Truppe um den Choreografen Ohad Naharin nicht ihr Publikum immer wieder neu herausfordern würde. Ihr Tanzstück "MAX", das in deutscher Erstaufführung beim Sommer Festival auf Kampnagel gastiert, ist vor allem eine Herausforderung an den Geist des Ensembles.
Der kraftvollen, durch und physischen Bewegungssprache ist Naharin treu geblieben, treibt sie hier noch ein Stück weiter bis an die Grenzen des körperlich Machbaren. Deutlich ist nach wie vor die Basis seiner Kunst zu erkennen, die auf den Modern Dance von Martha Graham mit ihrer aus der Körpermitte initiierten Bewegung zurückgeht. Schließlich hat er bei der amerikanischen Tanzikone studiert, die 1964 die Batsheva Dance Company mitbegründete, als Ableger ihrer New Yorker Compagnie in Tel Aviv. In den frühen 90ern führte Naharin sein Ensemble an die Spitze der zeitgenössischen Avantgarde.
Ein Spiel von Verführung. Mann und Frau, fünf Paare. Sie steht, er hockt mit kerzengeradem Rücken vor ihr, die Beine auswärts gedreht und weit geöffnet. Sie wechseln die Positionen in einem senkrechten Auf und Ab. Bis die Frau aus der Balance kippt. Licht aus. Die fünf Männer kehren zurück. Man denkt an die Vertreibung aus dem Paradies. Von nun an müssen die Menschen selbst kreieren, was sie zusammen hält. Die Funktion von Gesellschaft, von Kultur, wird auf die Probe gestellt. Das Komplementäre von männlich und weiblich findet sich wieder in den Farben des Lichts, das sich wie eine Aurahülle um die nur mit einem knappen Trikot bekleideten Tänzer legt.
Rot trifft von einer Seite auf die Körper, deren Schattenseite grün erscheint.
Ganz in rot getaucht meint man, die Hölle habe sich aufgetan. Ein Tänzer führt die Bewegung an, die anderen stimmen ein. Durch das Individuum findet sich die Gemeinschaft, die sich ihrer nicht wirklich sicher sein kann. Im Zerren an den Gliedern versucht ein jeder, aus der eigenen Haut zu fahren. Grünes Licht verwandelt die Hölle in ein futuristisches Labor, die Menschen werden zu Robotern. In irrwitzigem Tempo schütteln sie sich mit kantigen Schlägen, als hätten sie die Kontrolle über sich verloren. Kurze folkloristische Einlagen erinnern an den Zusammenhalt durch Tradition und Herkunft. Und die untergründige, seltsam lodernde und knisternde Soundcollage klingt auf einmal wie Musik. Eng zur gestaffelten Gruppe formiert gestikulieren ihre Arme wie bei einem gemeinsam gesprochenen Gebet.
Dann zählen sie in verschiedenen alten Sprachen immer wieder bis zehn, begleitet von einem Bewegungskanon, der sich ständig wiederholt, wie besessen, sich und der Welt eine mathematische Ordnung aufzuzwingen. Doch selbst wenn Naharin auf Gegensätze baut, zu seinem Markenzeichen gehört auch, dass die Physis von Mann und Frau, was Präsenz, Kraft und Energie angeht, keine Unterschiede kennt. Beide kennzeichnet die gleiche Dynamik, die gleiche Virtuosität und technische Perfektion. Es ist eine hochgradige Ästhetisierung eines Power-Körpers, die der Choreograf in seiner Kunst anstrebt, ein Körperkult. Dennoch überwiegen das sinnlich Poetische und das dunkel Seelenvolle, das an unbewusste Zustände und damit auch an die Vergänglichkeit rührt. Gegen Ende finden Mann und Frau noch einmal in der eingangs etablierten paradiesischen Urform zueinander und schreien uns als letzten Schluss im Chor ihr Gebet ins Gesicht.
Irmela Kästner, Die Welt 28.8.2009
EIN GETANZTES MENETEKEL
Das erste Österreich-Gastspiel der Batsheva Dance Company im Tanzquartier Wien
Wien - Eine Geschichte, besagt ein verbreiteter Konsens, ist dann gut, wenn sie die Wiedergabe eines tatsächlichen oder fiktiven Geschehens zu einem Ereignis macht. In einer wortlosen Darstellung, auf die sich Tanz, Bild oder Film konzentrieren können, gilt diese Übereinkunft nicht. Das spielt nun auch bei Ohad Naharins Stück Max, dem allerersten österreichischen Gastspiel der renommierten israelischen Batsheva Dance Company, im Tanzquartier Wien eine maßgebliche Rolle.
Ein Tanzstück wie Max ist eine Erzählung, die ihre Komponenten aus den Strukturen oder Überbauten von Geschichten oder fallweise auch der Historie bezieht. Charaktere, Rollen und Identitäten, die für das "Geschichtenerzählen" wichtig sein können, haben in einer solchen Choreografie keine Bedeutung. Hier liegt das Ereignis in der Materialisierung von Motivationen, Atmosphären und Spuren, die ein Geschehen bewirken, es lenken und die durch dieses weiter wirken.
Ohne diese Voraussetzung erschiene Naharins Arbeit bloß als schöne, ein wenig beunruhigend inszenierte Komposition von Körperbewegungen.
Als Stück also, das mit all seinen wohlgesetzten Formulierungen als Zugeständnis an die berückenden Möglichkeiten seines Mediums daherkommt. Und noch dazu mit einer unzeitgemäß rigiden, in sich geschlossenen künstlerischen Haltung.
Wer auch hinter die ästhetische Lektürekulisse schauen will, wird von Naharin und seinen disziplinierten, aber trotzdem elaboriert agierenden Tänzern nicht enttäuscht. Denn der Choreograf kodiert geschickt ein dringendes Bemühen, eine "Gesellschaft" zusammenzuhalten, durch Regeln, Formationen, miteinander kommunizierende Posen, durch Fluchten und Drängen, Zerfall und Versammlung, Rahmungen und deren Sprengung. Das alles in einer sinistren, purgatorisch anmutenden Atmosphäre, wie sie beim Gastmahl des Belsazar geherrscht haben mag, als die sprichwörtliche Geisterschrift an der Palastwand erschien.
Auch diese alttestamentarische Geschichte handelt vom Fehlschlagen oder Erfolg einer Lektüre. Erst der Prophet Daniel vermag die Zeichen zu dekodieren, deren Sinngehalt auf Belsazars Zukunft verweist. Das "Menetekel" heißt: Gott hat dein Königtum gezählt und beendet: Gewogen, zu leicht befunden und tschüß!
In Max schreiben die Tänzer zu den knisternden Geräuschen eines schwelenden Feuers erst unheimliche Muster in den Raum. In einem späteren Abschnitt wird gezählt, auf Griechisch von eins bis zehn. Wieder und wieder. Und immer wieder versuchen die Tänzer, aus den zehn Einheiten etwas in die Zeit zu schreiben, das keine Prophezeiung ist, sondern das Unbehagen einer in sich gefangenen Gemeinschaft wiedergibt.
Fünf Männer und fünf Frauen rotieren in den unserer Gesellschaftsorganisation zu Grunde liegenden Dezimal- und Binärsystemen. So rechnen eine Gruppe und zwei Geschlechter an Formeln des Unheimlichen. Die so von der Batsheva Dance Company gelegten Stimmungen, Spuren und Regulierungen finden sich in den Gerüsten der medialen Erzählungen über Israel wieder. Naharin entbirgt - um Heidegger herum gedacht - aus den Gestellen der Polittechnologie ein menschliches Sein, das mit dem Menetekel zu leben versucht. Aus den Falten in Ohad Naharins Max schimmert der Kampf gegen einen Albtraum.
Helmut Ploebst, DER STANDARD/Printausgabe, 31.03.2008
SCHONUNGSLOSE KöRPERLICHKEIT
Ohad Naharin schlägt mit „Max“ neue Töne an und treibt den Tänzerkörper an seine Grenzen.
Es beginnt mit den Tänzerinnen im tiefen Plié, besser: in tiefer Hocke, aus der sie auf das linke Knie fallen (autsch!) und dieser Auftakt leitet eine Körperarbeit ein, die an die Grenzen des Machbaren geht. Manche der Körperpositionen und Bewegungssequenzen könnten von einem Designer mittels passendem Computerprogramm entworfen worden sein - unmöglich, meint man, der menschlichen Anatomie widersprechend. Möglich, sagt der Choreograf Ohad Naharin. Und seine zehn superben TänzerInnen geben ihm Recht.
„Max“ also für maximale Bewegungsauslotung. Das wäre an sich nicht abendfüllend, ginge es nicht um mehr als körperertüchtigende Übungen. Bei Naharin spielt aber auch in diesem Extrem-Stück das Thema Kollektiv versus Individualität eine entscheidende Rolle. „Max“ könnte also auch der Name des kollektiven Körpers sein, wenn sich die TänzerInnen in perfektem Unisono über die Bühne bewegen, oder eine Standbild mit Handgesten abgeben - Gruppenszenen, die sich durch das nachfolgende kurze Blackout im Gedächtnis einbrennen.
„Max“ kann aber auch für den Sound von Maxim Warrat (aka Ohad Naharin) stehen, der aus einer Kunstsprache einen eindringlichen Klangteppich knüpft, dem die Tänzergruppe am Ende einen kräftigen Chor entgegenschmettert.
Großartig sind an diesem Abend vor allem die TänzerInnen, die sowohl solistisch stark sind und gleichzeitig ein starkes, homogenes Ensemble bilden. Viele von ihnen haben ihre Lehrjahre in der Batsheva-Juniorcompagnie absolviert, und sind mit Naharins Körpersprache bestens vertraut. Sie halten die Aufmerksamkeit, wo die Choreografie durch Wiederholungen und wenig dynamischen Wechsel eintönig zu werden droht. Andererseits geht mit diesem Stück auch der Choreograf und langjährige Leiter der israelischen Vorzeige-Gruppe Batsheva Dance Company eindeutig neue Wege, verzichtet mittlerweile völlig auf tanztheatralische Elemente und verschreibt sich voll dem körperbetonten Bewegungsexperiment. Ein interessanter und viel versprechender idiomatischer Wechsel.
Edith Wolf Perez ; www.tanznetz.at
Tanzquartier Wien, 30.3.2008
MAX
The superb ensemble work of 10 bright dancers makes "Max", Ohad Naharin's latest creation, an evening to remember.
I doubt if Batsheva's dancers ever looked better, with each individual dancer compressing his utmost attention inward, yet concurrently aware of the surrounding space and action. Each dancer's personal manifestation becomes a part of the larger picture. In the first half, one might compare the dance to a group of birds, each a part of a grandiose pattern, yet busy within their own private space. Then suddenly, for no apparent reason, the group turns into a flock which swishes swiftly, shifting direction and speed in perfect sync.
Original music composed for "Max" by Maxim Waratt (a name Naharin assumed for himself) contains numerous gibberish lyrics with various accents, all sung in Naharin's deep low voice.
The lexicon of the dancers expands all the time following the GaGa technique, which is geared toward exploring new ways to move the body. It often leads to contrived, exaggerated and distorted motions. But sometimes the results produce truly touching new ways to perceive the body. In "Max", it all comes together. The range of the dance language is impressive in its originality and individuality and the audience enjoys the self-assured maturity of a talented group of dancers.
Ora Brafman, The Jerusalem Post March 21,2007
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