NEDERLANDS DANS THEATER 2
TOUR 2011
ZAUBER UND SCHMERZ DER LIEBE
Überschäumende Lebensfreude und ein tobender Saal – die 10.Tanztage feierten einen weiteren Höhepunkt
(..) Und immer schien es, als wäre die Begeisterung des Publikums nicht mehr steigerungsfähig. Da war noch nicht das Nederlands Dans Theater aufgetreten. Ausverkauft war das NDT-Gastspiel sein Monaten, 2000 Kartenwünsche blieben unerfüllt, selbst vor der Tür warteten noch Verzweifelte. Die Niederländer, schon beim ersten Festival in 1993 vertreten, kamen diesmal mit ihrem genialen nachwuchs.
Den Abend ließ das Ensemble aus 15 Tänzern in der Choreogaphie von Fernando Hernandez Magadan verspielt angehen, etwas pompös und barock, zur Musik von Vivaldi und Händel. Ein Vexierspiel zwischen Realität und Fantasie, gesteuert von mannhohen, it roten Samtvorhängen verkleideten Kästen, wie sie für machen Zaubertricks benötigt werden.
Und genau das ist eine verschlüsselte Liebeserklärung an die knarzende Theatermaschine: ein zauber, federleicht und witzig. Im Kontrast dazu das siebenminütige „Solo“ von Hans van Manen. Das er zu Bachs Violinsuite auf der energiegeladene Tänzer verteilt hat: von atemberaubender Perfektion, aber auch etwas seelenlos.
Grüblerischer, doch nicht weniger virtuos ist „Flesh“ zur dramatisch-ernsten Musik von Arvo Pärt. Iván Pérez lässt seine Tänzer in ihren fleischfarbenen Kostümen ausdrucksstark ein Gedicht illustrieren. Nach der pause dann der Höhepunkt: „Minus 16“ von Ohad Naharin. 15 entfesselte Tänzer, die zu einer Musik zwischen Mambo und traditionellen israelischen Klängen pure, überschäumende Bewegungsfreude demonstrieren, sich Zuschauer aus dem Saal klauben und selbst im tobenden Saal und bei stehenden Ovationen immer weiter tanzen.
Die „Wirbelsäule“ der Tanztage sei das NDT, hatte Festivalleiter Honne Dohrmann eingangs gesagt. Wohl eher das schlagende Herz.
Nordwest Zeitung 16.April 2011
AUF DIESE TANZTAGE KANN OLDENBURG STOLZ SEIN
(…) Beneidenswert, welch wunderbare Nachwuchskräfte das Nederlands Dans Theater in seinen Reihen hat, wobei die drei männlichen Solisten besonders hervorstachen. (…)
Alexandra Albrecht, Weser Kurier, 18.April 2011
KAKTEEN UND EIN WOLFSHUND
„Die Perfektion der Ausführenden und die Ästhetik der Choreographie sind atemberaubend: geschmeidig-weiche Bewegungen, präzise auf die Musik reagierend, außergewöhnliche Bewegungskombinationen.Dies gilt auch für Kyliáns zweite Stück „Gods and Dogs“ aus dem Jahr 2008, sein hundertstes und letztes für das NDT. (..) Glauben die Zuschauenden nun, dass diese wundervollen Choreographien nicht mehr zu toppen seien, wurden sie durch „Cacti“ von Alexander Ekman vom Gegenteil überzeugt. Dass Tanz auch mit Humor umgesetzt werden kann, das ist durchaus bekannt, doch die subtile feinsinnige Art, mit der Ekman seine eigene Zunft auf die Schippe nimmt, ist schon ungewöhnlich. Zu Recht war das Stück 2010 nominiert für den niederländischen Zwaan Award.
In einem ersten Teil zu operettenhafter Musik von Haydn und Beethoven, im zweiten zu Schuberts „Tod und das Mädchen“ agieren alle 16 Tänzer in einer Art einheitlicher Arbeitskleidung, Hauptrequisite sind quadratische Podeste für jeden. Sie trommeln rhythmisch auf ihr Podest und auf ihren Körper, sie atmen laut und stoßen Rufe aus – alles passend zur Musik. (..) Auf amüsante Weise visualisiert dies mit einem typischen Impuls-Reaktions-Duett, zu dem die banalen Gedanken der beiden zu hören sind. Einfach nur komisch (..).“
Dagmar Klein, Gießener Allgemeine Zeitung 26.4.2011
IHRE KLEINEN GRüNEN KAKTEEN
„ (..) Beide knapp halbstündigen Choreographien zeigen Kylián als einen Menschenbeweger, dem es (fast) immer um die ganz großen Themen geht: Liebe, Tod. (..) In „Gods and Dogs“ ist ein schwarzer Video-Geisterhund ein mehrdeutiges Zeichen, aber auch die Schönheit eines schwingenden goldenen Schnürchenvorhangs hat Kylián als Bühnenbildner hier gewagt. Die Stimmung ist weicher, der Tanz auch, in den vertraut geschmeidigen, elegischen Linien des Choreographen. Über diesem Stück liegt nicht so viel Dunkelheit wie über „27' 52''“, aber doch eine zarte Traurigkeit.
Den Abend erhellt nach der zweiten Pause ein junger schedischer Choreograf auf eigenwillige und schräge Weise. Alexander Ekman, geboren 1984, geprägt durch das NDT und das Cullberg-Ballett, scheint bereits mit allen Wassern der Theatralität gewaschen zu sein. „Cacti“ nennt er ein halbstündiges Stück zu einem mutigen Klassik-Mix (Haydn, Beethovern, Schubert), in dem erst 16 Tanz-Wichtel mit schwarzen, bei Berührung staubenden Käppis aud Podesten einen drolligen Ritus exerzieren. (..). Eine höchst originelle Theaterbilder-Phantasie trifft hier auf Bewegungsraffinesse. Dass Alexander Ekman bei internationalen Ensembles schon ein begehrter Gastchoreograph sein soll, verwundert kein bisschen.“
Sylvia Staude, Frankfurter Rundschau 23.- 25.4.2011
SOGAR DER VORHANG BEGINNT ZU TANZEN
(..) Die Grenzen zwischen Normalität und Wahnsinn, Gesundheit und Krankheit untersucht Kylián in „Gods and Dogs“. Hier stürzen sich sein acht Tänzer in Soli und Duetten in eine abermals hochemotionale Choreographie zu einem Beethoven-Streichquartett und Musik von Dirk Haubrich. Geheimnisvolle Hundeprojektionen, ein zunächst ruhiger, dann wie von Geisterhand bewegter tanzender und marschierender Vorhang aus silbrigen Fäden, der wie eine Grenze zu einer anderen Welt wirkt, und Körperprojektionen werden mit dem Tanz zu einem aufregenden, surrealen Gesamtkunstwerk verwoben.
Passend am Ende platziert ist die mitreißende und humorvolle Choreographie „Cacti“ von Alexander Ekman. In „Cacti“ ironisiert der Schwede kunstvoll und einfallsreich sich allzu ernst nehmendes, bedeutungsschweres Tanztheater und führt augenzwinkernd vor, dass Tanzkunst zuallererst aus Musik und Bewegung entsteht und nicht trocken und stachelig wie ein Kaktus sein muss. Dabei lässt er sein 16 Tänzer starkes Ensemble zu einem wahren Körperorchester werden, Kakteen auf die Bühne schleppen, dann Slapstickeinlagen zu Playbackeinspielungen machen. Ein verdienter Jubel für eine mitreißende junge Compagnie.“
Bies, Frankfurter Neue Presse 23.4.2011
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