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ecotopia dance productions: press clippings Dansgroep Amsterdam - Flatland
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DANSGROEP AMSTERDAM

FLATLAND

Zu genießen war kultverdächtige Körperkunst auch beim Gastspiel der Dansgroep Amsterdam. Ihr vierteiliges Stück 'Flatland' des Choreographen Itzik Galili vermittelt in der Deutschen Oper ein intensives Flair von moderner Leichtigkeit. Zu Minimal-Percussions- klängen von Steve Reich bot das 14-köpfige Ensemble mitreißendes Tanztheater. In den besten Momenten tobte hier ein heller Gegenentwurf zu 'Le Sacre', eine paradiesische ausgelassene Urhorde, die sich kraftvoll im Goldlicht auspowert. Die Super- stimmung im Publikum bewies: Berlin liebt seine Dance Summits!
Gisela Sonnenburg, Berliner Morgenpost 17.5.2010

LICHT ZIEHT AN: DIE DANSGROEP AMSTERDAM IN DER DEUTSCHEN OPER
Ein Tanz ins Licht – so ließe sich das Programm der Dansgroep Amsterdam überschreiben, die zum Abschluss des 3. International Dance Summit in der Deutschen Oper auftrat. Zu Beginn platziert sich eine Tänzerin unter einem Scheinwerfer. Sie sammelt ihre Kräfte, um loszulegen. Doch dann hält sie inne, schaut sich um und positioniert sich unter einem anderen Spot. In dem Programm „Flatland“, das vier Arbeiten von Itzik Galili zusammenfasst, sind Licht und Schatten wandelbare Phänomen. Ungemein plastisch und dynamisch ist auch das Bewegungsidiom von Galili. Seine Tänzer befreien sich aus einem existenziellen Dunkel und orientieren sich mit allen Sinnen in einer sich stetig verändernden Umwelt. Das Licht zieht an, es trennt aber auch – etwa wenn die Tänzer in Lichtquadraten verharren. Der Spielraum der Akteure ist beschränkt, doch versuchen sie stets auf’s Neue, die Grenzen ihrer Welt zu erweitern. Live-Percussionmusik von der Gruppe Percussa, kombiniert mit einer Einspielung von Steve Reich, treibt das Geschehen an. Zu den Marimbaklängen Reichs mit den charakteristischen Phasenverschiebungen werden Pappwände über die Bühne geschoben.

Die Flächen rahmen und unterteilen die Bewegungen der fünf Tänzer, versperren schon mal den Weg. Der Effekt nutzt sich freilich bald ab. Beim Solo von Cris Tandy unterbricht der tyrannische Choreograf aus dem Off den Bewegungsfluss. Kommunikation – sie könnte ein Licht entzünden zwischen den Menschen. Doch in den Gruppenszenen erscheinen die anderen wie Spiegelungen des Selbst. Auch wenn manches redundant wirkt in „Flatland“: mit Spannung verfolgt man die Tänzer der Dansgroep Amsterdam bei ihrer Meditation über Schein und Sein.
Tagesspiegel, Sandra Luzina 18.5.2010

NAHTLOS VERSCHWEIßTER TANZ-KOSMOS
Lichtkegel strukturieren den Raum, darin einzelne Tänzer wie im Kampf mit dem eigenen Körper, Dehnungen, Pirouetten im Spagat, Ausfallschritte. Percussion treibt sie, das Licht nimmt sie mit auf eine Reise. Athletisch durchtrainiert ist die Dansgroep Amsterdam, bravourös gelingen den fünf Frauen, sieben Männern die pausenlosen 75 Minuten. Erst seit 2009 gibt es die Gruppe, entstanden durch Fusion. Mehr als 50 Choreografien schuf in gut drei Jahrzehnten die aus Ungarn gebürtige Krisztina de Châtel für ihre Dansgroep, auf über 60 Werke in einem knappen Dutzend Jahren kam der Israeli Itzik Galili für Galili Dance sowie internationale Compagnien. Zusammen leiten beide nun die Dansgroep Amsterdam, mit der ihnen, darf man die Vorstellung in der Deutschen Oper zum Maßstab nehmen, ein Coup gelungen ist.

Piet Mondrians Malerei der Moderne sowie Edwin A. Abbotts 1884 publizierte Novelle »Flatland: A Romance of Many Dimensions« inspirierten Galili zu vier nahtlos verschweißten Stücken. Sein »Flatland« ist indes nicht flach, es spannt einen Kosmos auf, der das Universum ebenso meinen kann wie die menschlichen Innenwelten. Alles ist Tanz an diesem Abend, in unversiegbarer Erfindung und nimmermüder Interpretation.

Im ersten Beitrag sind es Lichtkegel, die den Tanz provozieren, dem Raum wunderbar wandelbare Raster einschreiben, die Tänzer zu immer neuen Formationen, Körperauslenkungen herausfordern. Kein Stillstand, lebende Teilchen oszillieren, geheimnisvoll wie in einem Ritual. Licht lockt, geleitet, löscht aus, lässt das Spiel an anderer Stelle aufflackern. Klassische Posen werden dabei in die Weite des Raums hinein zerdehnt. Das gelingt in seinem Solo Cris Tandy auf brillante Weise. Nur das Gesicht schimmert anfangs wie ein fernes Leuchtzeichen auf. Die Linien seiner Extremitäten wetteifern dann in der Länge mit den Lichtdiagonalen in schattenlosem Nebel. Kaum hat man sich aufs Genießen eingerichtet, unterbricht eine Stimme den Tanz, nervt den Interpreten mit verletzenden Kommentaren.

»You bore me to death«, sagt sie, »too much pressure«, kontert Tandy. So geht es fort, bis der Tänzer weint, die Stimme »I hate repetitions« ruft, eine Frau ihn ablöst. Mit enormer physischer Präsenz hat er den gesamten Raum erfüllt und gleichsam den Witz des Choreografen mit transportiert. Im dritten Teil verschieben sich Paravents, werden zu Partnern, auf die die Tänzer mit sich ändernden Raummustern reagieren. Ihre nackten Beine in Shorts, umspielt von Rockteilen, und die Oberkörper leuchten in der milchigen Atmosphäre raffiniert auf und bestechen durch tänzerische Gespanntheit. Klappende Wände schaffen intime Einzelabteile auch für besinnliche Solos, all dies getragen von Steve Reichs hypnotisch beharrender minimal music. Live begleiten wieder die vier Percussionisten von Percossa den Schlussteil: Ein Würfel aus Scheinwerfern fährt zwischen den Tänzern umher, bis sich auch in den Schichtungen des Raums Strahler entzünden. Akrobatisch beschleunigen sich die Akteure, zu Paaren oder als Formation, dicht und intensiv. Am Ende wischt ein Paravent sie fort, ein Tänzer kriecht der Lichtquelle entgegen.

Qualitätvoll schloss mit diesem Gastspiel der 3. Dance Summit des Staatsballetts Berlin.
Volkmar Draeger, Neues Deutschland 18.5.2010

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