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HELSINKI DANCE COMPANY
XPSD
Kvarnstöm ist ganz klar ein genialer Meister der Choreographie. Der Einklang der Gruppenszenen wird zu einer interessanten Asymmetrie heruntergebrochen, während die Bewegung rasend weitergeht, als gäbe es kein Morgen. Die TänzerInnen der Helsinki Dance Company meistern dieses Rennen mit Bravour.
Jukka O.Miettinen / Helsingin Sanomat
BIS AN DIE EIGENEN GRENZEN GETANZT
Erst nach und nach werden alle sechs Tänzer sichtbar. Zunächst geschieht scheinbar wenig. Die Bewegungen wirken in sich ruhend, doch intensiv. Erst allmählich beginnen sie zu fließen, wirken die Tänzer wie von einem Sog erfasst, der sich unablässig aufbaut. Wie ein getanztes Crescendo, das sich über rund vierzig Minuten erstreckt. Vierzig Minuten in denen fast alle sechs unentwegt auf der Bühne und in Bewegung sind - eine konditionelle Höchstleistung, die auch den Zusehern den Atem raubt.
Synchrone Formationen in der Gruppe, ausgeführt in unglaublicher Präzision, kräftezehrende Pas de deux mit luftigen Hebefiguren. Immer wieder gleicht der Bewegungsfluss einem reißenden Strom, dem sich die Tänzer überlassen. Dem Crescendo muss ein Decrescendo folgen, eine allmähliche Rückkehr zum Ausgangspunkt. In innehaltenden, getanzten Begegnungen, zwischenmensch- lichen Berührungen, bevor die Tänzer wieder im Dunklen der Bühne verschwinden. Doch nur kurz: Das begeisterte Publikum holt sie mit seinen Beifallsstürmen zurück, wieder und immer wieder. Ein faszinierender Abend.
Karin Schütze, OÖNachrichten 8.4.2011
TäNZERISCHE WELTEN VOLLER EXTREME
Die Helsinki Dance Company präsentierte im Bürgerhaus eine tief beeindruckende Performance
Ein besonderes Highlight in der Bürgerhaus-Saison erlebten die Besucher am Sonntagabend im gut gefüllten Walter-Baumgärtner-Saal. Die Helsinki Dance Company zeigte eine faszinierende Choreografie voller Ausdrucksstärke. Ein beeindruckendes Feuerwerk an dynamischen Tanzsequenzen.
Dunkel ist es auf der Bühne. Nur Scheinwerferspots erhellen für kurze Momente die Tänzer. Gespenstische, gelbe Lichtblitze durchdringen dichten Nebel. Ein metallener Reifen dreht sich, nur dieses Geräusch ist in der Stille zu vernehmen. Dann setzt Musik ein. Langsam, weich und fließend beginnen die Tänzer, sich zu bewegen. Einmal angestoßen, setzen sich die Bewegungen fort, übertragen sich von einem Tänzer auf den anderen, steigern sich im Tempo und verlangen den zwei Tänzerinnen und vier Tänzern in der knapp über eine Stunde dauernden Vorstellung Einsatz bis ans äußerste Limit ab. Erst, wenn die körperlichen Grenzen erreicht sind, trete die wahre Persönlichkeit hervor, so die Theorie des finnischen Choreografen Kenneth Kvarnström. Historische Referenzen, in denen sich Geschichte und das Heute verflechten, sind in die Choreografie eingebaut. Sequenzen erinnern an Menuette, bei denen sich die Tänzer züchtig in zwei Reihen gegenüber stehen. Auch in den schwarzen, eng anliegenden und transparenten Kostümen ist mit fedrigen Halskrausen eine Andeutung an das 17. Jahrhundert ersichtlich. Die Musik des Finnen Jukka Rintamäki ist hingegen laut und archaisch, der Perkussions-Unterbau und die Geräusche klingen fast wie Maschinenlärm und treiben die Tänzer im Tempo immer mehr an. Die Tanzperformance erzählt Geschichten, die spannend und zugleich völlig offen sind. Mal entsteht zwischen den Tänzern zärtliche Nähe, im nächsten Moment werden Aggression, unverhohlene Gewalt und Abweisung ausgedrückt. Akrobatische Hebefiguren und schnelle Bewegungssequenzen sind bei der Choreografie dabei, die den Tänzern Kraft und äußerste Präzision abverlangen. Nicht elfenhaft sind die Akteure, sondern von athletischer Statur.
Manchmal stoppt der dynamische Bewegungsfluss unvermittelt. Ein Tänzer erstarrt und lässt sich fallen, ohne sich selbst abzustützen. Von seinem Partner wird er aufgefangen. Wie willenlose Marionetten wirken die Tanz-Performer, wenn ihr Gegenüber scheinbar jede ihrer Bewegungen auslöst und kontrolliert. Mal laufen sie einfach, wie teilnahmslos, von der Bühne, und im kleineren Ensemble geht es weiter. In immer neuen Konstellationen gruppieren sie sich. Stimmungen werden transportiert, und kaum hat man sich einen Moment darauf eingelassen, verkehren sie sich ins Gegenteil. Die extrem laute Musik, bar jeder Melodie, ist treibende Kraft, und zieht unweigerlich in ihren Bann. Musikalische und tänzerische Welten voller Extreme sind bei der außergewöhnlichen Tanz-Produktion präsent.
Seit zwei Jahrzehnten gehört Kvarnström zu den international führenden Choreografen. Seit Herbst 2010 leitet er die Helsinki Dance Companie. XPSD (für: exposed – ausgestellt) heißt seine Produktion, die sich durch überwältigende Formenvielfalt auszeichnet – bis die sichtlich erschöpften Tänzer innehalten. Der Metallreifen dreht sich noch einmal auf der Bühne und fällt. Lang anhaltender Applaus und Beifallsrufe verabschieden die Tänzer. Eine tief beeindruckende Performance wurde dem Publikum von dem außergewöhnlichen Ensemble des Modern Dance aus Finnland geboten.
Claudia Ackermann, Backnanger Zeitung 5.4.2011
MENUETT METROSEXUELL
Ein Hauch von Magie weht durch die Orangerie, fast feierlich schwellen die elektronischen Klänge. Die Tänzer tragen barock anmutende fedrige Krausen hoch um die Hälse, doch darunter metrosexuell Luftiges. Ihre Schritte könnten Menuetten entstammen, diese Vereinigungen, diese gespreizten Finger. Doch sie sind radikal hier und heute aufgelöst, in fast mechanisch präzise Windungen, Hebungen, Schlenker getrieben vom pochenden Beat der Musik.
Auf einer nüchtern weißen Fläche wie einem unbeschriebenen Blatt erzählt Kvarnström vom unablässigen Treiben zwischen den Zeiten, vom Finden und Wegdriften, von Konfrontationen. Die hochexakten tänzerischen Linien verweben sich, brechen auseinander, prallen gegeneinander. Doch je länger der Abend ist, desto fühlbarer die Anstrengung, Kvarnström lässt echte Erschöpfung sehen. Der Melancholie und Mystik, die fast bedrohlich über der Produktion liegt, verleiht das ein Stück Authentizität, die berührt. So kühl dieses Stück in Schwarzweiß erst wirkt, so lässt es doch kaum einen kalt.
Evelyn Beyer, Neue Presse Hannover, 3.9.2010
DIE UNENDLICHE BEWEGUNG
Die Bewegungen seiner Tänzer sind langsam weich fließend. Dafür hören sie nicht auf - einmal angestoßen setzen sie sich fort, übertragen sich von einem Tänzer zum anderen: eine unendliche Bewegung.
Manchmal allerdings stoppt der Fluss schlagartig. Ein Tänzer erstarrt und fällt, ohne selbst Halt zu suchen, in die Arme eines anderen. Manchmal scheint er sogar aus der Rolle zu fallen und verlässt wie teilnahmslos die Bühne. Dann wirkt es, als sei nicht das Tanzen so anstrengend, sondern die emotionale Belastung. Die Beziehung der Figuren ist einem ständigen, rasanten Wechsel unterworfen. Die Tänzer gruppieren sich in immer neuen Konstellationen, und nie ist der Punkt auszumachen, wann bei ihnen zärtliche Nähe in unverhohlene Gewalt umschlägt.
Kvarnström ist ein Virtuose darin, allein durch Bewegung Geschichten zu erzählen, die spannend und völlig offen zugleich sind.
Stefan Arndt, Hannoversche Zeitung, 3.9.2010
DER TAKT DULDET KEINE ABWEICHLER
Kvarnström führt das so barocke wie moderne Repräsentations- bedürfnis ins stressende Tempo der Gegenwart. Ein fantastischer Sog, gespiegelt in das vibrierende Schwingen dreier wagenrad- großer Metallringe, die irgendwann platt am Boden liegen.
Es ist wunderbar, wie Kvarnström konsequent auf tänzerische Bewegung und Abstraktion setzt.
Andreas Berger, Braunschweiger Zeitung 6.9.2010
Expanding the ingenious duets into multifaceted group scenes and moving the groups imaginatively are one of the trademarks of choreographically skillful Kvarnström." "All and all of the creation is delicate and sensuous.
Merja Koskiniemi, Aamulehti 22.3.2010
Kenneth Kvarnström’s new dancework XPSD for Helsinki Dance Company fullfills all expectations. It’s exactly the kind of performance that we are accustomed to see from him - in the most positive sense.
It is a dancework detailed and crafted to perfection, well rehearsed and filled with rich movement vocabulary, where the different sections stand independently but also work together in harmony.
Annikki Alku, Demari 24.03.2010
It is clear that Kvarnström is an ingenious master of choreography. The unison of the group scenes breaks down into an interesting asymmetry while the movement goes on frantically like there is no tomorrow. The dancers of Helsinki Dance Company come through this race splendidly.
Helsingin Sanomat 22.3.2010
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