ATERBALLETTO - FONDAZIONE NAZIONALE DELLA DANZA
LES NOCES UND PETRUSHKA
| CHOREOGRAPHIE | MAURO BIGONZETTI |
| MUSIK | IGOR STRAVINSKIJ |
| DRAMATURGIE | NICOLA LUSUARDI |
| BüHNENBILD | FABRIZIO MONTECCHI |
| KOSTüME | KRISTOPHER MILLAR, LOIS SWANDALE |
| LICHTDESIGN | CARLO CERRI |
| URAUFFüHRUNG | 14.6.2002 TEATRO VALLI, REGGIO EMILIA (I) |
| DAUER DER VORSTELLUNG | 30 MIN PAUSE 35 MIN |
| ON STAGE | 20 TäNZERINNEN |
Les Noces untersucht die Zweideutigkeit auf dem Höhepunkt einer Liebesbeziehung, d.h. in dem Augenblick, in dem die beiden Verliebten beschließen, sich dazu zu verpflichten, ihre Liebe unsterblich zu machen.
Wir haben uns gefragt: Wir bringen die Les Noces auf die Bühne, aber was können wir, Mensches des 21. Jahrhunderts, heute noch zum Thema „Hochzeit“ sagen? Stimmt es noch immer, dass sie in unserer Gesellschaft der einzige Ritus ist, der die perfekte Union zwischen zwei Verliebten regelt und bekräftigt? Die Wirklichkeit, die uns umgibt, widerspricht dieser Behauptung weitgehend. Und wir selbst glauben auch nicht mehr so recht daran.
Müssen wir diesen Ritus daher ganz banal angreifen und seine Bedeutungen als anachronistisch und unangemessen demolieren? Um die Wahrheit zu sagen, scheint auch das keine interessante Perspektive zu sein. Heutzutage ist es ein Leichtes, einen Ritus in Verruf zu bringen, der schon so abgenutzt und zur einfachen Formalität herabgewürdigt ist wie die „Trauzeremonie“. Warum sind wir aber dennoch so daran interessiert, über die Hochzeit zu sprechen?
Der Grund ist wohl dieser: Mit der Hochzeit akzeptiert die Liebe die Herausforderung, sich zu verewigen (bis der Tod euch scheidet), und sie geht das Risiko ein, das mit der Annahme dieser Herausforderung verbunden ist. Welches Risiko? Dass die Hochzeit die Kraft der Liebe erstickt und die Liebe in die strengen Grenzen dieser Institution einzwängt. Erst dadurch, dass sie „Ehemann“ und „Ehefrau“ werden, stellen sich die Verliebten außerhalb der Grenze der Unauflöslichkeit des Ehebundes, aber sie tun es durch eine Institution, die sie von diesem Augenblick an „zwingt“, jedes Paradox dieser Unauflöslichkeit in Kauf zu nehmen: Dazu gehört die Gefahr, das Gefühl in der Pflicht oder der Gewohnheit erstarren zu lassen und das immer mögliche Ende dieser Liebe als eine schreckliche Frustration zu erleben. Die Les Noces erzählt vom Glauben daran, dass es die ewige Liebe gibt, und von der erzwungenen Zweideutigkeit, es den anderen dadurch mitteilen zu müssen, dass man heiratet.
Mauro Bigonzetti und Nicola Lusuardi
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