
BIOGRAPHIEN
REPERTOIRE
PRESSESTIMMEN
DIE NACHT DES DIONYSOS
APOCALYPSE
TRISTANISOLDE
DIE ZOFEN
DELIRIUM OF A CHILDHOOD
PRESSEBILDER
VIDEO
KALENDER
|
ISMAEL IVO
APOCALYPSE
Ein Piano steht auf der linken Bühnenseite. Es nimmt fast ein Viertel des gesamten Raums ein. Wenn Kako anfängt zu spielen, beginnt Ivo, der in der Mitte der Bühne liegt, sich langsam zu bewegen.
Das Piano spielt eine angenehme Melodie, in der ein bisschen Traurigkeit mitklingt. Die Bewegungen des Tänzers erinnern an die Geburt des Lebens, oder auch an die Freude beim Erwachen nach einem langen Schlaf. So beginnt das Stück. Das Publikum verfolgt aufmerksam und gespannt jede noch so kleine Bewegung als plötzlich die Musik mit harten Akkorden angreift. Der Tänzer springt: die Musik wird rhythmischer und der Tanz wird dynamischer. Musik und Tanz werden zu einer wunderbaren Einheit.
Ivo nimmt den Rhythmus auf, schwingt, rennt und dreht sich in einem wilden Tanz über die ganze Bühne. Schweiß rinnt über seinen braunen Körper, der wie eine perfekte Skulpur aussieht. Es gelingt ihm gegensätzlichste Gefühle wie Vergnügen und Unzufriedenheit in einem Moment auszudrücken. Am Ende scheint alles darauf hinaus zu laufen, dass der Tänzer eine andere, unendliche Welt erreicht.
Tänzer und Musiker scheinen wirklich miteinander zu kämpfen.. Für eine Stunde stockt uns der Atem.
Yomiuri Newspaper Tokyo, July 1,1989
ZWEI MäNNER IM AUSDRUCKSRAUSCH
Die Angst und Niedergeschlagenheit der Existenz, nicht nur die der Apokalypse, sondern auch die des Alltags, ist bei dieser Choreographie allgegenwärtig. Der ewige Widerstreit von Leben und Tod, Niederfallen ud Aufstehen ist schon lange nicht mehr in dieser Brutalität dargestellt worden. Hart prallt der Körper auf den Boden, krümmt sich, um sich daraufhin wieder aufzurappeln. Takashi Kako läßt in solchen Augenblicken das Klavier alleine weiterspielen und schaut zu. Es ist faszinierendes Tanztheater, das Ivo hier vollbringt.
AZ Tagblatt, 22. August 1989
POETISCHE KöRPERSPRACHE
Choreographiert von Ivo und musikalisch gestaltet von Takashi Kako zeigt dieses Aufeinandertreffen von Ivos südamerikanisch-afrikanischen mit Kakos asiatisch-europäischen Elementen die Aufarbeitung einer inneren Apopokalypse, den individuellen Verfall eines Menschen.
Ivo zeigt ein Gemälde aus Emotionen – Angst, Lächeln, Schreien -, Zerstreuung und Feinfühligkeit. Er verläuft sich, findet sich wieder zwischen zwei gegenüberliegenden Türen: Herz und Intellekt, Muskeln und Vergeistigung. Die mystische Suche nach den Wurzeln des Seins, der Lebensweg von der Geburt über die Erkenntnis des eigenen Ich bis zum Tod wird zum künstlerischen Ausdruck.
Ivos Tanz, sein bedingungsloses Eintauchen in poetisches Körpergefühl, gepaart mir urwüchsiger Kraft, vermittelt die gesamte Intensität eines zerrissenen Menschen.
Volkstimme August 1989
IMMER NEUER TANZ AUF LEBEN UND TOD
Die Halle T2 im Stuttgarter Theaterhaus ist voll, die Ivo Gemeinde ist zahlreich und begeisterungsfähig. Der Auftakt zum Apocalypse Gastspiel hätte nicht faszinierender sein können. Riesenapplaus am Schluss, ein gerührter Ismael Ivo und das Staunen über die ungebrochene Vitalität einer brasilianischen Tänzers, der seit mehr als 20 Jahren in der europäischen Tanzszene mit seiner exzentrischen Körper-Performance Furore macht.
Dietholf Zerweck, Ludwigsburger Kreiszeitung August 19, 2006
EINE SPIRALE IN DER ZEIT
Träumerisch tastend, himmelwärts jauchzend, selbstquälerisch fallend. Atemlos still. Apocalypse verzichtet auf alle künstlerischen Chiffrierungen. Berührung total beim Publikum.
Die Apokalypse, soviel zeigt der Dialog – beginnt schon bei der Geburt. Doch noch ist Zeit zu leben, Aufbruch und Rebellion zu wagen. Synkopisch reitende Dissonanzen treiben den Tänzer zu Muskeltektonik und skulpturalen Verformungen an. Jazzige Staccatos im ZweiAchtel-Takt jagen ihn quer über die Bühne. Kindlich –graziöse Schlenkern und Kreiseln, den linken Arm, wie ein leichtes Gebrechen, eine Laune der Natur, himmelwärts angewinkelt. Doch ein erstes Stolpern – ein Hopsen fast – kündet die Katastrophe an. Weit spannt Kako die Arme. Tiefster Bass und höchster Sopran drängen aus dem Bauch des Flügels. Ivo öffnet den Mund zum stummen Schrei. Chromatisch steigt die Tastenfolge an, synchron umgesetzt in Schnitterbewegungen. Ein furioser Totentanz beginnt.
Brigitte Jähnigen, Stuttgarter Nachrichten, August 19, 2006
DER EWIGE KREISLAUF AUS LEBEN UND STERBEN
Ein Tänzer, ein Mann am Klavier, mehr gibt es nicht.Und mehr braucht es auch nicht.. Die Spannung, die den Dialog zwischen dem Tänzer und dem Komponisten, dem Brasilianer und dem Japaner, leitet, ist sofort spürbar.
Langsam, ganz langsam regt sich Ismael Ivo, sobald Kako die ersten Töne anschlägt. Die Melodie ist zart, in ihrer sehnsüchtigen Offenheit gar melancholisch, Ismael Ivos Bewegungen dazu sind bedächtig, poetisch. Ähnlich den sich ausfaltenden Blättern einer Blüte, reckt er die Arme nach oben, schiebt Zentimeter für Zentimeter den Oberkörper nach, streckt und beugt Finger für Finger, läßt sie über die Knie laufen, als müsse er wie ein Neugeborenes herausfinden, was er mit diesen seltsamen Extremitäten wohl überhaupt anfängt.
Es sind Szenen eines Erwachens, einer Art Geburt des Bewusstseins, vielleicht auch der Beginn der Menschheitsgeschichte, bei der jedes Detail zählt.. Nach wiederholten Momenten der Stille, bei denen man eine Stecknadel fallen hören könnte, beginnt Takashi Kako, wie wild in die Tasten zu hämmern. Ismael Ivo reagiert ebenso kraftvoll auf die harten, oft jazzigen Akkorde. Sein bis dato zurückhaltender Tanz gewinnt an Dynamik, ohne an Konzentration zu verlieren. Er wird eins mit dem synkopischen Rhythmus, ballt Fäuste auf die Sekunde genau, springt, rennt alle vier Ecken ab, reckt den offenen Mund im Schrei gen Himmel, gerade so, als ob er um Manna wehklagen würde. Schließlich münden seine Bewegungen in derwischartigen Drehungen..
Siebzig Minuten haben nun der Tänzer und der Pianist miteinander gerungen und gezeigt, dass der freilich hochtrabende Erwartungen weckende Begriff Apockalypse auch ohne Reitermannschaft auskommt, das der ewige Kreislauf aus Aufbruch, Leiden und Sterben auch individuell apokalyptisch sein kann.
Das hat mit Kakos Virtuosität und Ivos charismatischem Können zu tun.
Petra Mostbacher Dix, Stuttgarter Zeitung August 19, 2006
DER UNTERGEHER
„Ich sterbe jeden Tag, das ist der Grund, warum ich lebe.“ Dieses Wissen, das zuerst paradox anmutet, umkreist Ismael Ivo in „Apocalypse“. Und stellt damit unsere westlichen Vorstellungen auf den Kopf oder vielmehr auf die Füße. Denn es geht darum, das Leben eben nicht als die Abwesenheit von Tod zu begreifen. Ismael Ivos Solo ist zugleich ein Duett. Denn es ist die ungewöhnliche Begegnung zwischen dem in Berlin lebenden Tänzer mit den afrikanisch-brasilianischen Wurzeln und dem japanischen Pianisten und Komponisten Takashi Kako, der am Pariser Konservatorium studiert hat und ein Schüler von Olivier Messiaen ist. Die Neueinstudierung des legendären Stücks, eine Koproduktion mit dem Theaterhaus Stuttgart, war zum Endspurt des ImPulsTanz-Festivals im Wiener Volkstheater zu sehen.
Ein Flügel steht auf der linken Seite der Bühne im Volkstheater. Takashi Kako hat den grauen Hut tief ins Gesicht gezogen, verwegen schaut er aus, und überrascht dann mit seinem unerhört zärtlichen Anschlag. Perfekter Wohlklang hüllt den Körper ein, der reglos daliegt wie aufgebahrt. Was folgt, ist ein Erwachen, ach was, eine Erweckung! Zunächst antwortet Ivo auf die Musik nur mit minimalen, tastenden Regungen, er hebt den Arm, lässt die Hände spielen – das korrespondiert wunderbar zum Tanz der Finger auf den Klaviertasten. Ivo bewegt sich zunächst wie in Trance und zeigt dann, wie das Selbstbewusstsein erwacht und dieser Körper wieder bewohnbar wird. Dann steht der Tänzer still im Licht: Für einen bewegenden Moment scheint es, als habe er einem namenlosen Schrecken ins Gesicht geschaut. Alles konzentriert sich auf seinen Blick.
Ismael Ivo stellt den (fast) nackten Körper aus und zielt auf Vergeistigung. Er zeigt die Muskeln der Seele. Schweiß rinnt über seinen Leib, er atmet heftig, sein Brustkorb hebt und senkt sich. Die Funktionen des Lebens werden sichtbar gemacht, und der Körper verfremdet sich zum grotesken Anatomie-Theater. Da zeigt sich Ivos Affinität zum tiefschwarzen Butho, der ja ein Tanz der Dunkelheit ist. Auch Takashi Kako seziert nach den subtilen Klangmalereien des Beginns das Klavier, hämmert auf die Tasten und traktiert die Saiten mit kontrollierter Wut. Ivo durchquert die Emotionen wie im Zeitraffer: kreist in Ekstase, windet sich in Qual und Selbstzerfleischung, streift den Wahnsinn und wirft sich in die Revolte – und attackiert sogar den Klavierspieler.
Schmerzlich schön ist diese Performance, fast zu schön. Apocalypse wow! Der Untergeher zeigt bestürzende Szenen des Aufstehens und Fallens. Und spinnt dann wieder das Thema Tod und Verklärung fort.
Vor allem ist „Apocalypse“ aber die bewegende Begegnung zweier Virtuosen: ein Abend der Beschwörung und Betörung, zwischen Verführung und Kampf. In Wien gab es Huldigungen und begeisterten Applaus für die drei Berühmtheiten.
Sandra Luzina, Tagesspiegel August 15, 2006
Ismael Ivos Auftritt erinnert in seiner Intensität, die er zweifelsohne immer noch verströmt, an Kammertanzabende großer reifer Ausdruckstänzer
Andrea Amort, Kurier August 11, 2006
KRAFT DER SCHAMANEN
Das ImPuls-Publikum jubelt begeistert. Führten doch Ivo und Kako ein Meisterstück vor: Tanz der ‚anderen Art‘, weit abgerückt vom ‚coolen‘ Modern Dance, von Bewegungsexperimenten oder Technik um ihrer selbst willen. Drei Künstler –Ivo, Kako und Amagatsu – entwickeln Schritt für Schritt, Geste um Geste, Bild um Bild eine Symbiose, in der geballter Klang, zwingende Choreographie, Ästhetik und Lichtdesign (Junichi Matsuoka) untrennbar verbunden sind.
Im Mittelpunkt steht freilich Ismael Ivo, der fabelhafte brasilianische Tänzer. Ivo setzt seine strenge, bis zur Erschöpfung aller Kräfte fordernde Choreographie mit höchster Perfektion um.
Aber er macht daraus in jedem Moment ‚sein‘ Stück, das nur für diesen hochgewachsenen, kraftvollen Tänzerkörper denkbar ist.
Als Stammeskönig schreitet er zum Zeremoniell, als Schamane beschwört er geheime Kräfte, wie ein Derwisch erobert er drehend den Raum. Und als Medium höherer Mächte verfällt er ins Todesritual.
Karlheinz Roschnitz, Kronenzeitung August 11, 2006
nach oben
|