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ecotopia dance productions: Pressestimmen Nederlands Dans Theater 1 - Tour 2011
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NEDERLANDS DANS THEATER 1

TOUR 2011

EIN PERFEKT GESCHLIFFENER DIAMANT
Nederlands Dans Theater mit Choreografien von Jiri Kylián und Medhi Walerski im Ludwigshafener Theater im Pfalzbau
Einen dreiteiligen ballettabend der Extraklasse hat das Nederlands Dans Theater in Ludwigshafen präsentiert: Jiri Kyliáns frühes Stück „ Forgotten Land“ und sein Abschiedswerk für die niederländische Compagnie „ Mémoires d´oubliettes“ zeigten das beeindruckend breite Ausdrucksspektrum des begnadeten Choreographen. Dazwischen gab es „Underneath“, das Debüt des jungen französischen Choreogrphen Medhi Walerski bei der Truppe, deutlich spürbar von Kyliáns Tanzsprache beeinflusst und doch bereits sehr orginell.
So fließend in der Bewegung, so sehr im Einklang mit der Musik, so wunderbar harmonisch und dennoch aufregend spannungsreich, so geschliffen und formvollendet und bei aller Perfektion auch emotional anrührend, kurz: so wunderschön ist Tanz selten. „Forgotten Land“ zu Benjamin Brittens „Sinfonia da requiem“ stand als glanzvoller Höhepunkt am Ende des Abends, ein Klassiker, den der junge Jiri Kylián vor genau 30 Jahren für das Stuttgarter Ballett choreographiert hatte, und in dem er sich nooch ganz der neoklassischen Formensprache und ihren Harmonien verpflichtet zeigt. Gleichzeitig destillierte er aus diesem Bewegungsrepertoire, das ausschließlich auf harmonischer Ästhetik beruht, zwingende ja mitunter beunruhigende Bilder von gewaltiger Sogwirkung.

Vor dem düster leuchtenden Bühnenhintergrund, der einer dunklen Edvard Munch-Landschaft nachempfunden ist, entfalten sechs Paare des nederlands Dans Theater in wechselnden Kombinationen einen Tanz, in dem die Darsteller wie magisch eins werden mit der sie umgebenden Natur. Mal scheinen die Wellenbewegungen des Wassers sich in den Körpern der Tänzer fortzusetzen, mal wiegen Gestalten wie Schilf im Wind, immer im perfekten Einklang miteinander, mal scheinen die Partner im Pas de Deux zur Gestalt eines Vogels zu verschmelzen. Das Schlussbild zeigt drei Frauen mit nach hinten ausgebreitenten Armen wie Vogelschwingen. Es ist der Moment, in dem man sich, wie nach der Lektüre eines besonders schönen Buchs, wie verwaist vorkommt und am liebsten alles noch einmal erleben und „Forgotten Land“, diesen vollendet geschliffenen Diamanten, noch einmal sehen möchte.
Wahrscheinlich ist es genau diese Vollendung, die Kylián später andere Wege hat einschlagen lassen, denn einem Stück wie diesem ist nichts hinzuzufügen. In „Mémoires d´oubliettes“, dem Stück, das er 2009 als Lebewohl für das Nederlands Dans Theater nach 36 Jahre der Zusammenarbeit choreographiert hat, zeigen sich andere Elemente. Das Fließende, wie auf einer Eisfläche gleitende und jene Momente perfekter Körperharmonie sind jetzt in Kontrast gesetzt zu schnellen Staccato-Abläufen und abruptem Erstarren und Einfrieren der Bewegung, was die Tanzenden in Skulpturen zu transformieren scheint. Die Poesie von Slow-Motion-Bewegungen, Kampfkunstelemente, clowneske Parodien, das Spiel mit bizarren Formen, übergroße Schattenumrisse, die die Tänzer auf die Bühnenwand projizieren, dazu minimalistische Klänge, manchmal durchsetzt mit sardonischen Gelächter, ein Riesenbesen, mit dem eine Tänzerin silbernes Glitzerzeug vor sich herschiebt und am Ende ein donnernder Regen von silbrigen Aludosen – all diese disparaten Elemente fügen sich zu einem vituos getanzten, ungemein lebhaften und spritzigen Tanz der tausend Möglichkeiten zusammen.
Zwischen diese beiden Kylián-Giganten plaziert, kann sich „Underneath“ von Medhi Walerski gut behaupten. Auch er bedient sich der multiplen Möglichkeiten des modernen Tanztheaters, schiebt etwa eine Filmsequenz mit Unterwasserszenen dazwischen, lässt Flüstern und Schreie das tänzerische Geschehen begleiten, zeigt witzig surreale und burleske Elemente. All das wird getanzt von einer Truppe, deren technisches Potential ebenso stupendes Können verrät wie ihr Ausdrucksspektrum, das sich im Lyrischen ebenso stark zeigt wie in dramatischen oder burlesken Szenen. Das Publikum im vollbesetzten Pfalzbautheater feierte die Compagnie mit begeistertem Applaus.
Birgitt Scheuermann, Mannheimer Morgen 14.6. 2011

FACETTEN TäNZERISCHER KUNST
Vor 36 Jahren übernahm der Choreograph Jirí Kilián die künsterlische Leitung des Nederlands Dans Theaters.

Die Stücke Kiliáns und sein Ensemble sind seither weltberühmt geworden. Im Ludwigshafener Theater im Pfalzbau staunte ein großes Publikum über Werke von Kilián und eine herausragende Tanztruppe.

Am Anfang des dreiteiligen Tanzabends stand Kiliáns „ Mémories dÓubliettes“, mit dem er sich 2009 offiziell vom Nederlands Dans Theater verabschiedet hatte. Es vereint Anfang und Ende einer besonderen Tanz- und Schaffensära. Mit vielen Anspielungen aus seinen anderen Stücken geht es Kilian hier um Erinnerung und Vergessen. „Was ist Andenken und Gedächtnis? Wie lange dauert es, bis man vergisst?“, fragt der Choreograph Kiliàn im Text seines Programmhefts. So kreist das Stück füt sechs Tänzer und Tänzerinnen um ein komplexes Thema, das geheimnisvoll und unentschlüsselbar zugleich ist. Dazu passt die eindringliche Komposition von Dirk Haubrich mit musikalischen Fragmenten von Charles Ives „The Unanswerd Question“ und Textstellen aus Samuel Becketts „Worstward Ho“. Einen starken Rhythmus gibt die Musik vor, den die Tänzer in ihren Bewegungen aufgreifen. Immer wieder durchbrechen Paare ihre geschmeidigen Bewegungen. Sich anziehende und wieder ablehnende Körper verdeutlichen die Frage um Vergessen und Erinnern. Dabei fällt auf, wie präzise jeder Armwurf oder jeder Beinschwung gesetzt ist. Kilián hat die Elemente seiner Choreographie bis ins kleinste Detail durchdacht. Keine Bewegung scheint überflüssig, sondern setzt sich eins aufs andere in ein vielschichtiges Ganzes. Bis zum Schluss tritt der Rhythmus von Musik und Stimmen, das Licht-Design sowie der Vorhang aus einzelnen Bändern im Bühnenhintergrund in einen Dialog mit dem Tanz.

„Underneath“ steht wie ein Einschub als zweites Stück auf dem Programm. Es ist von Medhi Walerski, einem jungen Choreographen. Thematisch fügt es sich reibungslos an Kiliáns Stück. Auch hier geht es um unergründliche Verhältnisse. Eine Tänzerin steht in einem Kreis. Sie rastet innerhalb dieser Fläche aus. Bewegungen explodieren aus ihrem Körper, bis sie am Boden liegt. Weitere Tänzer laufen auf die Bühne, tanzen dynamisch, bis eine Figur „Stop“ schreit. Die Gruppe gehorcht und formiert sich, bricht wieder auseinander. Im zweiten Teil werden die Klieder abgelegt- die Tänzer erscheinen in Unterwäsche. Ihre Bewegungen sind verschlossen, als müssten sie zurückhalten, was Hautoberflächen preis geben. Medhi Walerski hat „Underneath“ den Opfern des Faschismus und des Krieges gewidmet.

Die Klammer und den Abend schließt Kiliáns „Forgotten Land“ von 1981. In einer vergessenen Landschaft vertanzt das Ensemble wie in einem unermüdlichen Reigen die Leidenschaften von Menschen. Hier zeigt sich nochmals die Präzisionsarbeit von Kilián: Ein Gesamtkunstwerk, das man nicht vergisst, weil es einen tief berührt.
Nora Abdel Rahman, Mannheimer Morgen 12.6. 2011

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