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zur Startseite (ecotopia dance productions: Pressestimmen Danza Contemporánea de Cuba - Tour 2012)

DANZA CONTEMPORÁNEA DE CUBA

PRESSESTIMMEN

GRUPPENBILD OHNE DAME
Auf der Bühne indes bescherte das Gruppenbild ohne Dame dem Festival einen Höhepunkt. Danza Contemporänea aus Kuba zeigte Kenneth Kvarnströms „Carmen?! "-Paraphrase als reines Herren-Dramolett. Sieben Matadore machen das mörderische Liebesgeschäft unter sich ab, wobei der Choreograph ihnen allerhand Verweise aufs weibliche Original - die russische Jahrhundertballerina Maja Plissetskaja - zwischen die Attacken gestrickt hat. Wie maliziöse Anekdoten funkelt ein schwanenseliges Port de bras hier, ein männermordend punktiertes Pique dort, bis die Hanswurstiade des Septetts einem fraulichen Schattenriss gleicht, der zum Vorschein bringt, was jede Eifersuchtsanwandlung befeuert: schiere Projektion. Eine schnippische Lustbarkeit ist das, nicht minder gelungen als „Mambo XXL", George Cespedes Würdigung jener Rebellen auf den Straßen Havannas, die mit sagenhafter Tanz-Souplesse für die Verflüssigung petrifizierter Politverhältnisse eintreten.
Dorion Weickmann, Süddeutsche Zeitung, 19.5.2012

WIE MAN „CARMEN" OHNE CARMEN TANZT
Viel Sportlich-Erotisches mit der Danza Contemporänea de Cuba bei Movimentos in der Wolfsburger Autostadt

In den südeuropäischen Macho-Gesellschaften sind sich die Männer ja meistens selbst genug. Wenn sie ihre Körper stählen, erotisch die Pomuskeln strecken und die Jacken für den perfekten Sitz zurechtrücken, geraten die Frauen, denen das alles gelten soll, schon mal in Vergessenheit. Kenneth Kvarnström hat Bizets Vamp-Oper „Carmen" denn auch nur für die Männer der Danza Contemporänea de Cuba choreographiert. Sie recken ihre Arme mit ab- geknickten Händen wie die Kastagnettenspielerinnen, grätschen in Parodie klassischer Ballett-Tode reihenweise auf den Boden und werfen sich ansonsten mal in Stier-, Carmen- oder Torero-Pose. Da fliegen rote Slips ins Publikum, durchschüttelt's die Körper erotisch, und zwischen den Beinen schlagen die Hände zusammen wie ... Kastagnetten. Das hat viel Humor und erzählt doch auch was über Machomechanismen und die Stereotypie des Genres. Für den sonst eher abstrakt strukturierenden Kvarnström eine überraschende Arbeit.
Seiner athletischen Ästhetik treu bleibt sich dagegen Rafael Bonachela. „Demo-NCrazy" nennt er das Auftaktstück für das Wolfsburg- Gastspiel, aber seine spezifische Form der Demokratie wirkt vor allem dämonisch-crazy. Das Leben ist Sport für Bonachela. Nackt bis auf den Slip begegnen sich Frauen und Männer zunächst im Pas de deux, muskulöses Kräftemessen am ausge- streckten Arm oder mit umständlichen Hebungen. Mit einsetzender Minimal Music geht die bruchlos Bewegung auf die Gruppe über, das
Urmodell macht Schule, der Weltlauf ist nichts anderes als Vervielfältigung des Kreatürlichen. Da stehen sich plötzlich Frauen- und Männergruppe wie in Strawinskys „Frühlingsopfer" gegenüber, vermischen sich und turnen dann hochästhetisch alle Varianten von Anziehung und Abstoßung durch, die menschliches Zusammenleben bestimmen. Man sieht dabei, dass Bonachela auch für Popstars und Hugo-Boss- Modells choreographiert. Doch er schafft auch Intensivierung, etwa im Männer-Pas-de-deux zu „Ne me quitte pas" - ein wahrer Trennungskampf mit schüttelnden Bewegungen und Würgegriff. Oder in der Gruppenbeschleunigung, einem erotischen Massenwahn, der in einem Wald von himmelwärts gestreckten Beinen der kopfstehenden Tänzer endet, ein fast meditatives Schlussbild, das in die Bizarrheit des Kreatürlichen zurückführt.
Das letzte Stück ist purer Rhythmus. „Mambo 3XXI" von George Cespedes führt Mamboübungen zunächst in Reih und Glied, dann in befreiten Einzelpaaren und Kleingruppen vor, sehr dynamisch, sehr ästhetisch, aber doch auch reichlich ä la Rock the Ballett. Spannend sind die Phasen der Verunsicherung, wenn die Tänzer unverwandt durcheinanderirren und nach neuen Partnern suchen, sich in der Umarmung neu erkunden. Stark finden so Frau und Frau in einem Pas de deux zärtlicher Nähe zusammen. Mann und Mann ringen kraftvoll, aber das Glück gelingt nicht, der Partner geht. Leider bleibt nichts nach von diesem Innehalten, am Ende überrennt der Mambo vorbehaltlos die Bühne. Und das Publikum jubelt.
Andreas Berger, Braunschweiger Zeitung, 26.4.2012

TANZ DEN KOMMUNISMUS
Wie lang die Revolution noch lebt, weiß in Kuba keiner. Aber dem Ballett geht es blendend, auch wenn die Tänzer oft nicht viel mehr verdienen, als ein Mojito kostet. Reisenotizen aus der Karibik

Kaum tritt man aus dem Flughafengebäude, ist klar: auf Kuba hat der Tanz sogar die Revolution besiegt „Der Sozialismus geht weiter", verkünden schon auf dem ersten von vielen Propagandaplakaten die Alt- Genossen Fidel, Raul & Co. Doch auf der anderen Seite des Dreieckständers steht unter in die Luft springenden Jungs: „Unsere Tänzer, unsere Zukunft".
„Coppelia" heißt auf Kuba also nicht umsonst die berühmteste Eisdiele, ein betonkühner Sixties-Pavillon unweit des einstigen Mafia- und Filmstar-Hotels „Nacional". „Coppelia'* von Leo Delibes ist nämlich einer der Ballett-Klassiker. Das Eisladenschild mit Ballerinenbeinen legt Zeugnis davon ab: Das kommunistische Eiland ist ein Dorado des Tanzes. Nicht alles glänzt so goldig wie die Cadillacs, die in Ermangelung neuerer Modelle nostalgisch, doch inzwischen vorwiegend für Touristen auf der Strandstraße Malecon kreuzen. Doch die Begeisterung für den Tanz eint die buntrassige Nation, die sich nach wie vor (mehr oder weniger) zum Sozialismus bekennt.
Schon beim einst großen Bruder UdSSR erlebte das Ballett, obwohl zaristisches Erbe, eine Blütezeit, auch als Volkskunst für Proletarier. Zwar verweist die Coca-Cola in der Hotelminibar des eingeladenen Journalisten darauf, dass der Klassenfeind trotz des amerikanischen Handelsembargos längst da ist - die in diesen Breitengraden besondere Haltung gegenüber der Kunst, dem Tanz im Besonderen, gut aber nach wie vor. Natürlich tanzt der Karibe gern, so will es das Klischee. Aber längst hat jeder abendländische Hedonist gelernt, dass hier mit Son, Mambo, Salsa, Danzön, Rumba, Cha-Cha-Cha und Trova ungewöhnlich viele Bewegungsarten erfunden wurden. Auch am Parque Central profitieren die freundlichen Damen davon, wenn sie Fremde zum „Special Buena Vista Day" in irgendeine Musikkaschemme locken, wo sie Provision bekommen. Im gegenüberliegenden, vornehm von der Zeit angefressenen Neobarockbau des Gran Teatro, das schon Enrico Caruso gehört und Anna Pavlova gesehen hat, tritt gleichzeitig das Kubanische Nationalballett auf, für viele nach wie vor ein Edelstein der Nation.
Man feiert den fünfzigsten Geburtstag der Staatlichen Ballettschule, mit über 4000 Zöglingen die größte der Welt. Und eine stolze. Carlos Acosta, ihr be- rühmtester Absolvent, hat es - zudem als Schwarzer - bis zum Starsolisten des Royal Ballet in London gebracht. Gastiert er in Havanna, wird er bejubelt wie ein Fußballgott. Im Rang hat jetzt die Königinmutter Kubas Platz genommen, Alicia Alonso, legendäre Ballerina. Die 91-Jährige, die seit Jahrzehnten blind ist, hat 1948 das Ballett gegründet und es als Kubas heimliche First Lady mit Castros finanzieller Unterstützung zu internationalem Ruhm geführt.
Das ist lange her. Die Alonso sieht ja keine Entwicklung mehr, die Truppe stagniert in knallbunter Operettenseligkeit. Viele Zöglinge des Abgangsjahrgangs, die jetzt auf gefährlichen Highheels und in Papas Sakko ihre Zeugnisse empfangen, werden ihre gute Ausbüdung nutzen und im Ausland tanzen. Der Aderlass ist gewaltig. Die Alonso lächelt stoisch hinter ihrem Blumenstrauß und entledigt sich ihres Gebisses, als es dunkel wird.
Tanz made in Cuba ist, ähnlich wie Rum und Zigarren, weltweit eine Qualitätsmarke. Davon profitiert nicht nur die gerade beifallstreibend durch Deutschland tourende, vorwiegend aus Tänzern des Fernsehballetts zusammengestellte Truppe „Ballet Revolution" mit süperbem Technikzauber und Latinoromantik zu Hits von Ricky Martin.
Vier Euros, so viel wie ein Mojito im Edelhotel kostet, ist hier nicht selten ein Monatsverdienst; zehn Euros aber verdienen umgerechnet die vierzig Tänzer des Danza Contemporanea de Cuba, der staatlichen Ballettkompanie für zeitgenössischen Tanz, die seit ihrer Gründung 1959 im renovierungsbedürftigen Seitenflügel des modernistischen Teatro Nacional am Revolutionsplatz ihr Domizil hat. Dafür wohnt die Compagnie billig (wenn auch bis zu zwei Stunden Fahrtzeit entfernt) und bekommt ein einfaches Reismittagsgericht in der gekachelten Kantine neben dem oberen der beiden Ballettsäle, wo sie von neun bis siebzehn Uhr schweißtreibend zu Live-Percussion trainiert.
Der so clevere wie auch ein wenig konfuse Direktor Miguel Iglesias Ferrer, erst zweiter Chef der einst unter dem Eindruck der gastierenden Martha Graham gegründeten Truppe, macht es richtig. Er lässt seine Tänzer an der langen Leine. Sie kommen viel ins Ausland, erhalten da Devisen, kaufen sich Laptop und Mikrowellen für die Verwandtschaft, aber sie kommen zurück. Als nicht klassischer Tänzer hätte man es anderswo im Alltag schwer.
Das weiß der Nachwuchschoreograf George: „Ich bin ein böser Junge", sagt er und knetet grinsend seinen Che-Guevara-Bartfilz. „Aber hier kann ich mich ausleben. Ich habe alles, kann kreativ sein." Wie in seinem sexy „Mambo 3XXI", der viel kubanisches Lebensgefühl transportiert und auf der nächsten Tournee zum Movimentos Festival der VW Autostadt in Wolfsburg dabei ist. So wie auch Alonsos berühmte „Carmen- Suite", die in einer Neuinterpretation ausgerechnet des Schweden Kenneth Kvarnström nur von Männern getanzt wird. Im Tanzmuseum, einer reizenden Villa, ihrem Memorabilia-Schrein zu Lebzeiten, kann man Alicia Alonsos knappes Carmen-Kostüm sehen. Zwei alte Wärterinnen freuen sich über den einzigen Besucher, bis plötzlich der Strom ausfällt Kuba.
Danza Contemporánea ist inzwischen als Gastiertruppe auch deshalb international begehrt, weil man mit vielen angesagten Choreografen arbeitet. Man war kürzlich sogar erstmals in den USA, wenn auch wegen des Embargos ohne Gage. Im Sommer kommt Vladimir Malakhov. Eben ist der Israeli Itzik Galili da, der ein neues Stück probt. Er ist verzweifelt, weil die dafür notwendigen Boxhandschuhe noch nicht besorgt sind. „Morgen", heißt es lächelnd. Itzik Galili tröstet sich mit Philosophie: „Kubanische Tänzer haben eine schöne Seele."
Manuel Brug,Die Welt am Sonntag 15.4.2012

LIEBESGRÜßE AUS HAVANNA
Wenn man George Céspedes auf die Palme bringen will, muss man ihn nur bitten: Beweg' dich wie ein Kubaner! Der 32-Jährige, der einen Bart à la Che Guervara trägt, ist einer der herausragenden Tänzer von Danza Contemporánea de Cuba und feiert auch Erfolge als Choreo- graf. Die kubanische Vorzeigetruppe genießt einen exzellenten Ruf, war aber bislang nur ein einziges Mal in Deutschland zu sehen, 1980 in Rostock. Mit ihrem Mix aus zeitgenössischem Tanz und afro-karibischen und spanischen Elementen gastiert sie nun bei Movimentos in der Autostadt in Wolfsburg - zum 10. Geburtstag des internationalen Festivals.
Die Probenräume der Compagnie erreicht man über den Seiteneingang des Teatro Nacional an der Plaza de la Revolución in Havanna, wo der Papst dieser Tage eine Messe abgehalten hat. Vor dem Eingang sitzt eine ältere Frau und verkauft selbst gebackenen Kuchen - natürlich braucht sie eine Lizenz dafür. Die Büros sind spärlich möbliert, alles wirkt etwas heruntergekommen. In gutem Englisch schildert George Céspedes seinen Werdegang. Er kommt aus Holguin, wo vor allem spanischstämmige Kubaner leben. „Dort hört man keinen Rumba." Dann lästert er munter über das Ballet Nacional, das als eine Art Nationalheiligtum gilt. Und ist erstaunlich gut informiert über das, was außerhalb von Kuba passiert - Sasha Waltz kennt er natürlich. „Als kubanischer Choreograf kann ich raus und die Welt sehen." Dabei begreift er sich, so sagt er, weniger als Choreograf denn als DJ. Und erzählt, wie es dazu kam, dass er „Mambo 3 XXI" kreierte. Mambo an sich sei ja fucking commercial. Mit seinem Stück aber wolle er den Kuba-Klischees auf den Leib rücken. Dafür ließ er eine Komposition von Mambo-King Perez Prado durch das junge Elektronik-Duo Nacional Electrónica bearbeiten, das als Wegbereiter eines neues Sounds gilt. Und wie geht der Mambo des George Céspedes? Zunächst bewegen sich die Tänzer im Gleichschritt - wie bei einer Parade. Eine disziplinierte Masse. Doch dann treten Einzelne hervor, und die Energien explodieren. Auch die Paartänze wirken furios: Die Sinnlichkeit und Lebenslust, die sich im Tanz der jungen Kubaner ausdrücken, sind hinreißend. „Mambo 3XXI" handelt von der Entdeckung der Individualität - eine euphorisierende Erfahrung.
Rund 50 Tanzcompagnien soll es auf Kuba geben, vom Staatsballett bis zu kleinen experimentellen Gruppen. Die Tänzer von Danza Contemporánea de Cuba sind gleich zweifach privilegiert. Sie erhalten auf ihren Auslandstourneen Devisen, davon können sie sich auch mal einen MP3-Player leisten. Und sie gehören einer vitalen Compagnie an, die stilistisch neuen Entwicklungen gegenüber aufgeschlossen ist.
Schon seit Ende der neunziger Jahre lädt sie regelmäßig europäische Choreografen ein. Dass die Kubaner sich in unterschiedlichen Idiomen auskennen, wird auch bei den Stücken erkennbar, mit denen die Compagnie demnächst beim Movimentos-Festival gastiert. Neben „Mambo 3XXI" wird „Demo-N/crazy", eine sinnlich aufgeladene Arbeit des Spaniers Rafael Bonachela gezeigt. Besonders reizvoll wirkt auch die ironische Carmen-Dekonstruktion des Schweden Kenneth Kvarnström - wenn die temperamentvollen Kubaner sie tanzen.
Miguel Iglesias Ferrer, der 1975 als Tänzer zur Compagnie kam, ist in Kuba ein höchst respektierter Mann. In einer chaotischen Übergangsphase wurde er zum Direktor berufen und wollte den Job eigentlich nur zwei Jahre machen. Schließlich war es, wie er bekennt, eher sein Traum, „auf der Bühne zu sterben." Doch nun hat er mit Geschick ein Ensemble aufgebaut, das die besten Tänzer Kubas versammelt und über ein vielfältiges Repertoire verfügt.
Der Staat finanziert die Truppe, „aber wir haben nie Geld", sagt Ferrer. Doch gelingt es ihm immer wieder, Mittel zu akquirieren - etwa beim Rum-Hersteller Havana Club. Und: Ferrer besucht die Ballettschulen in allen Provinzen, immer auf der Suche nach neuen Talenten. „Ich brauche Individuen", betont er genau wie Céspedes. Doch auch der kollektive Zusammenhalt ist ihm wichtig. „Ich will die Compagnie stimulieren und motivieren", sagt Ferrer. Danza Contemporánea sei wie eine große Universität, in der seine Tänzer verschiedene künstlerische Sprachen erlernen. Dabei setzt Ferrer statt auf fertige Stücke auf Kreationen, die für seine tollen Tänzer maßgeschneidert erscheinen.
Auf Politik angesprochen, lässt er sich allenfalls entlocken, dass das Kulturministerium ihm nie in seine Arbeit hineingeredet habe. Nur wenn die Sprache auf den Klassenfeind USA kommt, gerät er mächtig in Rage. „Die glauben, dass ihnen die Welt gehört." Vergangenes Jahr trat seine Compagnie in New York auf, erstmals seit ihrer Gründung im Revolutionsjahr 1959 - ein großer Erfolg. Doch wegen des Embargos durfte den Tänzern kein Honorar gezahlt werden, sie erhielten 60 Dollar am Tag fürs Essen. „Unter diesen Bedingungen", sagt Ferrer, „gehe ich nicht mehr in die USA."
Und dann ist da der in Amsterdam lebende Israeli Itzik Galili. Er erarbeitet gerade ein Stück zu der Komposition „Drumming" von Steve Reich, finanziert vom britischen Dance Consortium, und ist von den, wie er sagt, „erfahrungshungrigen" Tänzern begeistert. Sein Stück ist provokativ - nicht nur, weil Männer und Frauen Boxhandschuhe tragen. Doch bei den Proben geht es eher zart zu; die Tänzer nehmen sich immer wieder in den Arm. „Die Kubaner sind Verführer", sagt Galili lächelnd.
Derweil lässt sich die Ikone des kubanischen Balletts im Gran Teatro feiern. Bei einer Gaja zum 50-jährigen Jubiläum der Staatlichen Ballettschule danken die Absolventen artig der 91-jährigen Alicia Alonso. Die Fidel-Freundin ist seit 1959 Direktorin des Ballet Nacional de Cuba, dabei ist sie schon seit langem erblindet. Eine Symbolfigur für die alte Garde in Politik und Kultur, die nicht abtreten will. Und es ist weit und breit niemand da, der der Compagnie neuen Geist einhauchen könnte. Alonsos Ballett „Die Zauberflöte" ist denn auch nicht mehr als ein Staubfänger.
Wenn man mit Einheimischen spricht, bestätigen alle: Die Jugend will Veränderung. Ideologie spielt für sie keine Rolle mehr. Die Absolventen vom Ballett Nacional finden meist schnell ein Engagement im Ausland. George Céspedes aber beteuert, er wolle seine Heimat nicht verlassen. Nicht alle Talente suchen das Weite. Das lässt hoffen für die Zukunft Kubas.
Sandra Luzina, Der Tagesspiegel, 14.April 2012

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