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ecotopia dance productions: press clippings Richard Siegal / Ballet of Difference am Schauspiel Köln - My Generation
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RICHARD SIEGAL / BALLET OF DIFFERENCE AM SCHAUSPIEL KöLN

MY GENERATION

Münchens neue Tanz-Company
Das Ballet of Difference von Richard Siegal stellt sich und 
sein Ja zur gegenwärtigen Lebenswirklichkeit vor.
Beim DANCE-Festival 2017 zeigte das Ballet of Difference als Projekt-Company nach nur sechswöchiger Probenzeit erstmals ein dreiteiliges Programm. Mit BOD fing es an: Im Halbdunkel wurde ein Paar sichtbar, zunächst als aufeinander bezogene Silhouetten. Zügig kamen die anderen acht Tänzer*innen des neuen Ensembles dazu und tanzten abrupt wechselnde Formationen. Die erstklassige Qualität war sofort erkennbar, die völlig synchrone Exaktheit der Linien im Unisono bestechend! Die Kostüme hoben die unterschiedlichen Typen der Tänzer*innen hervor, Formationen lösten sich mit der ihnen eigenen Dynamik überraschend auf und rückten Solist*innen als selbstbewusst präsente Individuen ins Zentrum. Das erinnerte an Forsythe, war aber eigenständig, immer getragen von eigenen Ideen, umgesetzt in ein ganz spezifisches Idiom. Die Musik sei ihm wichtig, sagte Siegal im Vorfeld, und man sah, wie sich ihrem physischen Input ebenso die Dynamik wie lässig schleifende Ausgänge verdankten. DJ Harams elektronischer Ethno-Sound erwies sich als hervorragend geeignet, Akzente zu setzen. Humorvolle Momente kamen dazu. Am Ende wurden die Tänzer im Gegenlicht wieder zu Silhouetten, was den Ensemble-Charakter verstärkte, doch glaubte man nun, schon die Schatten zu kennen. BOD steht für den Namen der Company Richard Siegels. Seine Choreografie war spannend und von persönlichkeitsstarken Künstlern präsentiert, eine klasse Visitenkarte!
Dem peitschenden Sound setzte das zweite Stück eine phantastische Auswahl an atmosphärischen Liedern entgegen. Gefühlvoll-getragen begannen Ausschnitte eines künftigen Balletts über die Whistleblowerin Chelsea Manning mit einem Paar, das androgyn zwischen den Geschlechtern sowie Sehnsucht und Entzug changierte. Das Solo eines dazukommenden Movers illustrierte intensiv Songs, die Belastungen thematisierten. Das Trio trug gleiche, an einem Bein hochgeschlitzte Togen, was seine Wirkung erotisierte, und deutete Übergangsbereiche an: Transsexualität, Festhalten an Normen oder deren Bruch, Lüge und Wahrheit, Recht oder Unrecht. Man konnte überfordert sein, gleichzeitig dem vielschichtigen Geschehen zu folgen und auf die Texte zu hören. Doch sah man zwei männliche Ichs, in ihrem Gegensatz schwarz und weiß, die sich auf eine Frau projizierten. Ein Chor von fünf Gestalten in Umhängen mit spitzen Mützen wies auf den politischen Hintergrund hin, und nach einem homoerotischen Moment blieb die Frau allein auf der Bühne zurück. Richard Siegal weiß, dass Handlungsballett nicht zeitgemäß ist, aber seine Art zu erzählen griff ein symptomatisches Thema unserer Zeit auf, in der Lügen den Rang alternativer Fakten behaupten. Das starke Gefühl seiner Interpreten drängte Zuschauer dazu, Gewissheiten zu überprüfen.
Mit POP HD folgte ein programmatisches Aufbegehren gegen ästhetische Normen. Das aus sehr verschiedenen Kulturräumen stammende Ensemble bewies, dass ganz unterschiedliche Ästhetiken bestens unterhalten können, wenn ihr tänzerisches Niveau durchgängig so hoch ist. Richard Siegals interdisziplinäre Zusammenarbeit mit Modeschöpfer Bernhard Willhelm gewann als Plädoyer für kulturelle Vielfalt im Sound von ATOMTM mitreißenden Drive. „My Generation“ von „The Who“ wurde zu einem Hip-Hop-Exzess hochgepusht, der Riesenspaß machte. Als das Inferno zu vermeintlich alltagstauglichem Tanz abebbte, trat die Problematik elektronisch in Trance getriebener Tänzer hervor, und anklingende Themen wie die digitale Mechanisierung des Menschen verrieten die intellektuelle Wachheit dieses Choreografen sowie das hohe gesellschaftskritische Potenzial seiner Stücke. München sollte sich mit dem „Ballet of Difference“ die kontinuierliche Arbeit einer Top-Company sichern, deren Mitglieder die Technik des klassischen Tanzes lieben, aber ohne Scheuklappen mit Richard Siegal erkunden, wie Ballett noch heute, als Alternative zu seiner glorreichen Historie, zeitgemäße Beiträge zu unserer Lebenswirklichkeit liefert.
Karl-Peter Fürst, Applaus 6/2017


Tanz der Vielfalt
Die Spannung ist groß. Bei den Veranstaltern, bei den Künstlern, bei den Zuschauern. An diesem Abend stellt der amerikanische Choreograf Richard Siegal endlich seine eigeneKompanie vor: das Ballet of Difference, kurz BOD. Siegal wird gefeiert als Schöpfer hochvirtuoser, hochenergetischer Ballette, als politisch wie intellektuell wagemutiger Verfechter uneingeschränkter menschlicher wie auch künstlerischer Vielfalt, aber auch des Komplexen und schwierigen, das dank der tänzerischen Mühelosigkeit brillanter Könner Maßstäbe setzt. Richard Siegal ist einer, der sich traut,den Anspruch an sich selbst und seine Leute in ein großes Wort zu fassen und damit den Erwartungsdruck nochzu erhöhen: excellence.
Die fantastischen Kostüme von Chromat/ BeccaMcCharennahe,wahre Körperskulpturen, aufblasbar wie die Schwimmflügel, abstehende Plastik-Tutus über Tänzerhüften, wahlweise sexy Korsagen oder Rüstungen über bloßen Oberkörpern oder auch nur diagonal fixierte Kostüm-Fragmente als Blickfänger, die den Betrachter dazu auffordern, sie vor dem inneren Auge zu ergänzen.



BOD“, rast, ein denkbares künftiges Signet für die ganze Kompanie, als turbobeschleunigte Feier des einzeln oder gleichzeitig getanzten Pas de deux voran. Frauen schrauben ihre Körper in diagonaler Hebung über Männerrücken oder starten, von ihren Partnern sicher gehalten, senkrecht im Froschsprung, die im Knie hochgezogenen Beine dabei extrem nach außen gedreht, in die Lüfte und sehen dabei auch noch unwiderstehlich sexy und elegant aus. Männer wie Frauen kreiseln, stürzen, jagen mit in V-Stellung emporgerankten Armen und schlaff aus den Gelenken hängenden Händen vorüber in einer Schau exzessiv optimierter Technik und Perfektion. DJ Haram steuert die Beats bei, den rhythmischen Bodensatz für die getanzten Synkopen, die für den ununterbrochenen Drive sorgen. Die Synkope bei sinnlich geschwungenem Körper als unverrückbare Konstante in Richard Siegals Choreografie hält den Tänzer am Laufen und den Zuschauer bei der Stange.
Eva-Elisabeth Fischer, Süddeutsche Zeitung 12.5.2017


Starke Knalleffekte
Richard Siegal's Ballet of Difference überwältigt: hyperdynamisch, zeitgenössischer Power-Tanz in irren Soli, Duetten oder sich durchwirkenden Formationen. Aufgepeitscht, rastlos angetrieben, von elektronisch scharfen Beats. Mega-stylische Kostüme.
Unter Becca McCharens an verschiedensten Stellen wie Rettungswesen geblähten Kostüme mutieren die fantastischen Turbomover bald zu einem schwirrenden, die Blicke verwirrenden Kollektiv tolldreister Insekten.
Vesna Mlakar, Abendzeitung 15.5.2017


Avantgarde und schwarzer Humor
Eröffnet aber wurde mit dem besten aus der eigenen Stadt: Richard Siegels Ballet of Difference zeigte sich mit dem Dreiteiler 'My Generation' erstmals einem großen Publikum. Eine heiß ersehnte Darbietung für die Münchner.
Zur Uraufführung BoD erscheinen die Tänzer in aufblasbaren Luftmatratzenröcken von Becca McCharen. Zur veränderten Wiederaufnahme Pop HD tragen sie grellbunte Sportklamotten, deren T-Shirts zu Röcken umfunktioniert wurden (Bernhard Wilhelm). Im ersten Fall gleichen sie phantastischen Insekten, in letzterem sehen sie aus, als trügen sie nicht Halsausschnitte, sondern riesige Vaginas vor sich her. Bei Siegal sind Männer und Frauen eben gleichberechtigt. Doch die Essenz von Siegels Werken ist natürlich die Choreographie, und die ist auch hier so stark, dass er sich optische Ablenkungen locker erlauben kann. Die Fülle an neuen Hebungen, die Siegal für diese Visitenkarte erfunden hat, ist berauschend.
Isabel Winklbauer, Stuttgarter Nachrichten 16.5.2017


Die totale Entgrenzung
Richard Siegal ist Publikumsmagnet. Viermal ausverkaufte Muffathalle. Seine Arbeiten entsprechen dem Zeitgeist, dem jugendlichen Lebensgefühl vor allem. In Pop HD, 2015 für das Cedar Lake Ballet kreiert, nimmt Siegal Elemente der Popkultur auf. Die PostNeoKlassik à la Forsythe bricht er durchweg kapriziös mit Funk, Show- und Breakdance, mit Afro und zirzensischen Hebungen. Die Devise heißt: Vielfalt, totale Entgrenzung.
Sein neu gegründetes Ballet of Difference zieht kraftexplodierend mit. In knallbunten Outfits, wie aus Flaggen und Sporttrikots geschneidert, flitzt und rockt die Crew auf Flachfuß und auf Spitze über die Bühne, so angeheizt von Elektrobeat von Atom ™, dass unser eigenes Biosystem mit in Schwingung versetzt wird. Stylisch, schnell, multi-aktional, euphorisierend energetisch, das sind Siegels starke Attribute.
Malve Gradinger, Münchner Merkur 15.5.2017


Vor dem Tanz sind alle gleich unterschiedlich
Generell vollführen im Ballet of Difference Männer und Frauen dieselben Bewegungen, es herrscht Geschlechtergerechtigkeit. Das ist gut zu erkennen in "BoD", wo die Herren Margarida Netos göttliche "Giselle"-Attituden aufgreifen. Aufblasbare Röcke oder Rockteile tragen sowieso alle. Im dritten Stück des Abends wiederum, in "Pop HD", bilden sich immer neue Gruppen und Paarungen, die nicht zwangsläufig aus Mann und Frau bestehen müssen – ebenso wie T-Shirts nicht zwangsläufig als Oberteil getragen werden müssen. Die bunten Sportklamotten hängen mit Halsausschnitt zwischen den Beinen nach unten, was besser aussieht als man denken mag. Männer und Frauen sind gleich stark, egal in welchem Körper sie stecken. Alle Hautfarben und Haarlängen und Tanzausbildungen sind gleich stark, egal in welcher Kompanie sie vorher waren. Wenn diese Prinzipien zu neuen, ästhetischen und stabilen Formen finden, hat München vielleicht einen historischen Start erlebt.
Isabel Winklbauer, Kulturvollzug


Das Crossover-Ballettvokabular des gebürtigen US-Amerikaners und Wahlmünchners Siegel zu elektronischen Musik von DJ Haram oder ATOM TM verstärkt den Eindruck, das zeitgenössische Ballett implodiere im globalisierten Kapitalismus.
Ingrid Türk-Chlapek, tanz.at

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