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FARN. KOLLEKTIV

BIOGRAPHIEN

Das 2016 gegründete Theaterkollektiv FARN besteht aus Sandra Hüller, Tom Schneider, Tobias Staab, Michael Graessner, Sandro Tajouri und Moritz Bossmann.

Theater wird hier als kollektive Praxis des Denkens und Handelns begriffen. Innerhalb des Kollektivs gibt es keine festgelegten Strukturen oder Hierarchien, keine präexistierenden Formen oder Ästhetiken, keine Sicherheiten und Wahrheiten, auf die man sich verlassen könnte oder wollte. Wenn, wie Anna Tsing sagt, „Prekarität die Grundbedingung unserer Zeit ist“3, dann wollen wir aus dieser Unbestimmtheit und Unsicherheit heraus Kraft schöpfen, um neue Allianzen zu schaffen, die aus dem Gemeinsamen heraus ein neues Denken ermöglichen.
Aus unserer Perspektive ist diese Arbeitsweise nicht nur eine mögliche Technik oder Strategie des Theatermachens. Vielmehr erscheint darin eine Art des Miteinander-Seins, mithin eine gelebte Praxis von Gemeinschaft, die sich inhaltlich wie strukturell mit den Diskursen und Fragestellungen verbindet, die im Rahmen unserer Arbeiten verhandelt werden.

Ihre erste Arbeit war „Bilder Deiner Grossen Liebe“ nach dem Text von Wolfgang Herrn- dorf als Koproduktion mit dem Theater Neumarkt Zürich, gefördert durch den Landes- verband Freier Theater Baden-Württemberg e.V. (Premiere am 28.04.2016). Seit dem ist die Produktion erfolgreich unterwegs mit Gastspielen unter anderem am Staatstheater Hannover, der Volksbühne Berlin, dem Schauspiel Leipzig, dem Kunstfest Weimar am Nationaltheater Weimar und dem Theaterfestival in Prag. Seit 2018 wird die Produktion auch im Repertoire des Schauspielhaus Bochum gezeigt. Die Hörbuch-Version von „Bil- der Deiner Großen Liebe“ wurde 2019 als Hörbuch des Jahres der HR2-Bestenliste aus- gezeichnet.
Ihre zweite Produktion „Die Hydra“ nach Texten von Heiner Müller folgte im Herbst 2019 am Schauspielhaus Bochum. Die Produktion war 2020 ins Rahmenprogramm der Berli- ner Festspiele eingeladen, was auf Grund der Corona-Verordungen leider entfallen musste.

ecotopia dance productions: Biographien FARN. Kollektiv Sandra Hüller studierte Schauspiel an der Hochschule für Schauspielkunst “Ernst Busch“ in Berlin. Es folgen Engagements am Theaterhaus Jena, Theater Basel, Staatsschauspiel Hannover, dem Theater Freiburg, der Volksbühne Berlin, den Münchner Kammerspielen und an der Ruhrtriennale. Internationale Erfolge erzielte sie mit ihrer ersten Hauptrolle in Hans-Christian Schmids Film “Requiem“, für den sie 2006 mit dem Silbernen Bären, dem Deutschen und dem Bayrischen Filmpreis ausgezeichnet wurde. 2010, 2013, 2019 und 2020 wurde sie von THEATER HEUTE zur Theaterschauspielerin des Jahres gewählt. 2020 erhält sie zudem den Bundesverdienstorden für ihr soziales Engagement. In Maren Ades Film “Toni Erdmann” begeisterte Sandra Hüller sowohl Publikum als auch Kritiker und wurde für ihre Darstellung mit dem Bayerischen, Deutschen, Europäischen Filmpreis und zahlreichen nationalen und internationalen Preisen ausgezeichnet. Mit den Regisseuren Johan Simons, Barbara Frey, René Pollesch, Schorsch Kamerum, Stephan Kimmig und Tom Schneider verbindet sie eine langjährige Zusammenarbeit.


Tom Schneider ist Regisseur und Musiker. Er arbeitete bis 2000 als Musiker in verschiedenen Formationen und als Assistent für die Freie Theatergruppe "Theater Affekt" in Berlin. 2000 bis 2004 war er als Regieassistent und Schauspielmusiker am Theater Basel beschäftigt. Seit 2004 realisiert er eigene Regiearbeiten, unter anderem am Theater Basel, am Theater Heidelberg, der Musik-Akademie Basel, dem Theater Freiburg, den Münchner Kammerspielen, dem Theater Neumarkt Zürich und dem Schauspielhaus Bo- chum. Von 2005 bis 2007 unterrichtete er an der Musikakademie Basel / Schola Canto- rum Basiliensis im Rahmen des Opernstudios „Front Stage“ szenische Gestaltung und Figurendramaturgie. Von 2007 bis 2012 arbeitete er als Regisseur und Musiker in der künstlerischen Leitung von PVC (Labor für zeitgenösischen Tanz) am Theater Freiburg. 2012 gründete er in Freiburg die freie Theater/Tanz-Gruppe „off deluxe“, die mit ihrer ersten Arbeit (twilight/echo) den Stuttgarter Theaterpreis für besondere künstlerische Leistung bekam. Seit 2016 ist er künstlerischer Leiter und Geschäftsführer des Theater- kollektivs FARN. Er ist Bassist in der Band „A Boy Named River“ und lebt in Freiburg im Breisgau.


Michael Graessner studierte Bühnen- und Bühnenkostümbild bei Achim Freyer an der Hochschule der Künste Berlin. Während des Studiums wirkt er als Darsteller und Tänzer in mehreren Produktionen Freyers mit. 1999 arbeitet er mit ihm als Bühnenbildner für die Uraufführung von Franz Xaver Kroetz »Die Eingeborene« am Akademie Theater Wien, die zum Theatertreffen nach Berlin eingeladen wird. Ende der 1990er Jahre fol- gen verschiedene Film- und Fernsehausstattungen sowie Werbe- und Videoclips, u. a. für die Band Rammstein. Michael Graessner arbeitet seit vielen Jahren als Bühnen-und Kostümbildner für Schauspiel-und Opernproduktionen. Oft versucht er hier zwischen den Genren Theater, Film, Performance und sozialer Intervention zu vermitteln und sie miteinander verschmelzen zu lassen. Seit 2001 entwirft er Räume und Theatersituatio- nen für gesamte Spielzeiten zum Beispiel in den Münchner Kammerspielen oder dem Maxim Gorki Theater Berlin. 2009 erhält das Projekt „Hauptschule der Freiheit“ der Münchner Kammerspiele den Preis zur bedeutendesten Theaterarbeit des Jahres durch die Bundeskulturstiftung. Oft verwandelt sich in seinen Arbeiten die klassischen Per- spektive vom Zuschauenden auf die Machenden in ein einziges Erlebnis der Beteili- gung. Die Arbeit „Bunnyhill“ zusammen mit Björn Bicker und Peter Kastenmüller an den Münchner Kammerspielen steht noch heute für ein Meilenstein im Aufbruch zu Stadt- projekten wie sie heute von fast allen Stadtheatern regelmäßig unternommen werden. Seine Arbeiten führen ihn im internationalen Rahmen zu Kollaborationen mit dem Goethe Institut, der Akademie Der Künste Berlin, der Architektur-Biennale-Venedig, Theaterhäusern und Schulen aber auch der Stadt Nürnberg z.B. im Rahmen der Bewerbung zur Kulturhauptstadt 2025. Aktuell sind von ihm Arbeiten am Deutschen Theater Berlin und am Schauspielhaus Bochum zu sehen. Seit 2016 arbeitet er kontinuierlich mit dem Theaterkollektiv FARN, einem Kollektiv um Sandra Hüller und Tom Schneider. Michael Graessner lebt zusammen mit der Autorin Lisa Danulat in Berlin und hat zwei Kinder.


Sandro Tajouri ist Schauspieler und Musiker. Er absolvierte von 2000 bis 2004 sein Schauspielstudium an der Hochschule der Künste in Bern. Während der Ausbildung hat- te er bereits Gastverträge am Theater Basel und am Theater Dortmund. 2004 war er als Gast bei den Salzburger Festspielen zu sehen. Von 2004 bis 2008 war er festes Ensem- blemitglied am Theater Basel und von 2009 bis 2015 am Schauspiel Hannover. Er arbeitete dort hauptsächlich mit den Regisseuren Sebastian Nübling, Sybille Fabian, Werner Düggelin, Lars-Ole Walburg, Albrecht Hirche, Milan Peschel und Mina Salehpour. Die Inszenierung „Dido & Aeneas“ von Sebastian Nübling mit ihm und Sandra Hüller in den Hauptrollen wurde 2007 zum Berliner Theatertreffen eingeladen. 2008 spielte er „Next Level Parsival“ (Regie: S.Nübling) bei der Ruhrtriennale Zeche Zollverein Essen. Er komponierte unter anderem die Bühnenmusik für die Produktion Die Marquise Von O am Theater Freiburg (Regie: Sybille Fabian) und „Der Mann, der Kurt Cobain erschoss“ am Theater Basel (Regie: Tom Schneider). Die Inszenierung „Über Jungs“ (Regie: Mina Sal- ehpour) am Grips Theater bekam 2014 den Faust-Preis. Er ist Schlagzeuger in der Band „A Boy Named River“ und bei „The Dead Brothers“.


Moritz Bossmann spielt E-Gitarre, er komponiert für seine Bands »Käptn Peng & Die Tentakel von Delphi« und die Noise Rock Band »Vögel die Erde Essen«. Ausserdem schreibt er Film- und Theatermusiken, wie z.B. für den Kinofilm „AlkiAlki“ von Axel Ra- nisch und Heiner Müller ́s „Der Auftrag“ in der Inszenierung von Tom Kühnel und Jürgen Kuttner am Staatsschauspiel Hannover. Mit seinen Bandkollegen betreibt er das Label Kreismusik, auf dem sämtliche Alben von ihm erscheinen. Er hat Jazzgitarre in Weimar und Istanbul studiert. Moritz Bossmann lebt als freischaffender Musiker in Berlin.


Tobias Staab, geboren 1981 in Stuttgart, arbeitet als freischaffender Dramaturg, Regisseur und Kurator für Musik und Medienkunst. Als Dramaturg arbeitete er u.a. an den Münchner Kammer- spielen, für die Ruhrtriennale und das Schauspielhaus Bochum. Außerdem kuratierte Tobias Staab weite Teile des Installations- und Musikprogramms der Ruhrtriennale zwischen 2015 und 2017. Mit dem US-Choreografen Richard Siegal gründete er 2016 die Tanzkompanie Ballet of Difference, die sich von einer international tourenden Truppe zur festen Kompanie der Stadt Köln etablierte. Als freischaffender Kurator lancierte er zudem unterschiedliche Programme und Festivals in den Bereichen Musik sowie performative und installative Künste: Mit Ritournelle etablierte er 2012 ein Festival für avancierte elektronische Pop-Musik in den Münchner Kammerspielen, das in den dar- auf folgenden Jahren auch am Schauspielhaus Bochum und im Rahmen der Ruhrtriennale stattge- funden hat. An der Schnittstelle von experimenteller elektronischer Musik, Medienkunst und Tanz verortet sich das von Tobias Staab gegründete und kuratierte Festival Noise Signal Silence, das 2017 und 2018 in München und Köln stattgefunden hat. Im Rahmen des Bauhaus-100-Festivals an der Akademie der Künste in Berlin kuratierte er 2019 unter dem Titel Hyper.Culture ein interdiszi- plinäres Programm, das ein Konzept für ein künftiges, queeres und interkulturelles Bauhaus des 21. Jahrhundert formulierte. 2019 gründete Tobias Staab das DIVE Festival für immersive Künste in Bochum, bei dem er auch weite Teile des Programms gestaltete. Seit 2018 kuratiert und leitet er das neue Medienkunstzentrum Oval Office in Bochum, in dem er international renommierte Künstler wie Matthew Barney, Tianzhuo Chen, Kurt Hentschläger, Ulf Langheinrich, Ivana Franke, Lizzy Fitch & Ryan Trecartin und Terry Riley ausstellt. 2018 schrieb und inszenierte Tobias Staab das Musiktheaterprojekt O Augenblick als Hommage an das Theater. 2020 entwickelte und insze- nierte er den Abend After Work – Ein Requiem für den arbeitenden Menschen, der das Verhältnis von Arbeit und Identität an der Schnittstelle von Tanz, Schauspiel und Bildender Kunst untersucht.